 lange nicht! Weißt du, Sihdi, bei dir ist es nämlich so: Während du
über den Gebrauch dieser oder jener Waffe sprichst, fallen dir immer noch mehr
und noch weitere Erlebnisse ein, bei denen du dich dieser Waffen bedient hast.
Da ist jeder Fall anders, jede Anwendung und jeder Erfolg anders! Da werden
Messer, Flinte und Pistole lebendig; da fühlen sie; da denken und berechnen sie;
da sprechen sie förmlich mit!«
    »Wie deine Peitsche!« warf ich scherzend ein.
    »Lache nicht über sie! Sie ist eine vornehme Haremsdame, die ihre guten
Seiten, aber auch ihre Mucken hat. Wir reden jetzt nicht von ihr. Fällt dir
nichts ein? Kein guter Rat? Keine nützliche Verhaltungsmassregel, die wir
befolgen könnten?«
    »Ihr wisst ja alles schon! Aber auf Eins will ich euch doch aufmerksam
machen: Richtet eure Augen ja nur auf den Gegner; alles andere schadet, weil es
zerstreut. Bei den Zuschauern kann geschehen, was nur immer will, es geht euch
nichts an! Oft ist ein fester, unbeirrter Blick schon der halbe Sieg; ich habe
das erlebt! Für das Gewehr habe ich keine Bemerkung, für die drei Dscheride aber
doch. Ich würde es folgendermaßen machen: Ich ließe den Gegner seine Speere erst
verschiessen, weil ich da nur auf ihn und nicht auch auf mich aufzupassen hätte.
Bei dieser ungeteilten Aufmerksamkeit ist es kinderleicht, seinen Würfen
auszuweichen. Hat er dann keinen mehr und hat mich auch nicht getroffen, so weiß
er sich machtlos und mich als ihm über. Das gibt ihm ein Gefühl der
Unsicherheit, welches mir Vorteil bringt.«
    »Aber er macht es dann auch wie du: Er braucht nur auf dich aufzupassen und
weicht also deinem Speerwurfe leicht aus!«
    »Diese Sicherheit nehme ich ihm, indem ich eine Zeit lang die Bewegung des
Werfens mache, aber doch nicht werfe. Das erscheint ihm lächerlich, und er passt
weniger auf. Wenn ich merke, dass er bei diesen Finten ruhig stehen bleibt und
nicht einmal mehr zuckt, dann werfe ich wirklich, und zwar die drei Speere
schnell hintereinander.«
    »Maschallah! Alle drei? Warum das?«
    »Er wird glauben, dass ich nur einen werfe und darum seine ganze
Aufmerksamkeit nur auf diesen und nicht mehr auf mich richten. Während er den
Bogenflug des Speeres verfolgt und aufwärts blickt, sieht er wahrscheinlich gar
nicht, dass ich wieder werfe. Dieser zweite Speer wird ihn treffen, und wenn ja
nicht, so doch ganz gewiss der dritte. Es ist dazu freilich notwendig, dass man
erstens ein guter Dscheridwerfer ist und zweitens ein scharfes und geübtes Auge
dafür hat, nach welcher Seite der
