 noch nicht wüsstest, so würdest du es jetzt erfahren,
erkennen, einsehen, zugeben und bestätigen müssen. In diesem ihrem gescheiten
Köpfchen ist nämlich ein Plan entstanden, welcher der vortrefflichste Plan aller
Pläne ist und mich geradezu begeistert hat. Du stehst so still da. Bist du nicht
begierig, zu erfahren, was ich meine?«
    »Ich bin still, weil ich es umso eher erfahre, je weniger ich selbst rede,
sondern dich sprechen lasse.«
    »Dieser Plan betrifft nämlich die gefangenen Soldaten. Wir haben uns von dem
Versprechen, welches wir dem Scheik der Beni Khalid gaben, in jeder Beziehung
unabhängig gemacht, nur aber nicht in Betreff dieser Soldaten, um deren
Befreiung noch erst gekämpft werden muss. Dies wäre nicht nötig, wenn es uns
gelänge, sie jetzt während der Nacht den Beni Khalid durch List zu entführen.
Bist du nicht auch dieser Meinung?«
    »Ich gebe dir recht. Ja, ich gestehe sogar, dass ich auch schon daran gedacht
habe. Es gibt zwar eine sehr leichte Art und Weise, sie loszumachen, nämlich
indem wir sie gegen den Häuptling umtauschen, worauf die Beni Khalid ja
gezwungen wären, einzugehen; aber da er schon einmal umgetauscht worden ist, so
kommt mir diese Manipulation keineswegs sehr geistreich vor, und ich - - -«
    Da fiel er mir rasch in die Rede:
    »Geistreich, geistreich! Ja, das ist das richtige Wort, Sihdi. Wir wollen
und wir müssen geistreich sein, und ich sage dir, dass wir es gar nicht zu sein
brauchen, weil Hanneh, die pfiffigste aller irdischen Pfiffigkeiten, schon
geistreich für uns gewesen ist. Wir haben es gar nicht nötig, unsere hehren
Seelenkräfte anzustrengen, weil diese doch immerhin belästigende Arbeit uns von
dem herrlichsten Gegenstande meiner Liebe und Verehrung, welcher Hanneh heißt,
abgenommen worden ist. Ich ging vorhin zu ihr, um ihr den Bericht zu erstatten,
den ich als der Mann ihres Herzens ihr schuldig bin. So erfuhr sie, dass wir die
Soldaten noch nicht frei gemacht haben und also um sie kämpfen müssen. Sie ist
mutig, tapfer, kühn und verwegen, sowohl im Frieden wie auch im Streite; sie
weiß, dass wir uns nicht besiegen lassen würden, und hat also nicht eine Spur von
Sorge oder gar Angst um uns; aber als kluge Frau ist sie doch der ganz richtigen
Ansicht, dass man, wenn man die Wahl besitzt, ganz denselben Erfolg durch List
oder durch Gewalt zu erreichen, der List den Vorzug geben soll. Und kaum hatte
sie diesen Gedanken ausgesprochen, so war auch schon der Plan zur Ausführung in
ihrem lieben Köpfchen fertig. Du wirst staunen, staunen, wenn du ihn erfährst!
