 große Glas vor die Augen hältst und meine Demut als Hochmut
bezeichnest.«
    Wenn mir diese sonderbare Art seiner Beweisführung nicht bekannt gewesen
wäre, so hätte ich jetzt lachen müssen; so aber fragte ich:
    »Du sprichst von Leben und Tod. Soll der Kampf so scharf genommen werden?«
    »Ja.«
    »Sind die Personen schon bestimmt, zwischen denen er stattzufinden hat?«
    »Nur erst zwei.«
    »Was? Wie? Nur erst zwei? Das ist ja genug!«
    »Nein, Sihdi, das genügt noch nicht. Tawil Ben Schahid bestand darauf, dass
es sechs sein sollen, von jeder Seite drei.«
    »Warum?«
    »Das weiß ich nicht. Ich habe ihn nicht danach gefragt. Es ist uns ja ganz
gleich, oder vielmehr, meinen Haddedihn wäre es am liebsten, wenn bei dieser
vortrefflichen Gelegenheit jedem von ihnen erlaubt würde, sich mit einem Ben
Khalid zu messen.«
    »Dennoch hättest du auf einen dreifachen Zweikampf nicht eingehen sollen,
ohne mich vorher zu fragen! Welche zwei sollen wir außer mir noch wählen? Es
werden sich alle dazu drängen, und das macht die Sache schwer.«
    »Außer dir, sagst du?«
    »Natürlich!«
    »Für so natürlich halte ich das nicht.«
    »Habe ich dir nicht gesagt, dass du mich dem Scheik als denjenigen bezeichnen
sollst, den der betreffende Ben Khalid als Gegner haben wird?«
    »Ja, das hast du freilich gesagt.«
    »Und du hast es getan?«
    »Nein. Hast du denn wirklich geglaubt, dass ich so wenig Ehrgefühl besitze,
einen andern an meine Stelle treten zu lassen? Ich habe selbstverständlich nicht
dich, sondern mich genannt.«
    »Hm! Was sagte Hanneh dazu?«
    »Sie hatte gar nichts anderes erwartet und freute sich darüber.«
    »So hat sie keine Sorge?«
    »Sorge? Angst? Um mich? O, Sihdi, Sihdi, Sihdi! Meine Hanneh soll Angst um
ihren tapfern, unüberwindlichen Hadschi Halef Omar haben! Nimm es mir nicht
übel, aber ich muss dich wirklich fragen, ob du vielleicht zufälligerweise von
Sinnen, ganz von Sinnen bist! Ich bin ja schon überhaupt gar nicht zu besiegen;
aber wenn ich während des Kampfes ihre schönen, lieben Augen auf mich gerichtet
weiß, so würde ich hundert Riesen erwürgen, wenn sie es wagten, mich nur falsch
anzusehen. Das kannst du dir doch denken? Erweckt der Anblick deiner Emmeh nicht
auch solche Kampfeslust in dir?«
    »Nein.«
    »So kann ich wirklich nicht umhin, dir mitzuteilen, dass meine Hanneh deiner
Emmeh vorzuziehen ist. Bei einem Weibe, die ihren Mann
