 recken die
Zungen gegen mich. Atemlos, keuchend, in Schweiß gebadet, mit ungeheurer Mühe
gelingt es mir zuletzt, mich zu bewegen, - wie zerbrochen richt' ich mich auf,
mit zugeschnürter Kehle, eiskalt und zitternd. So beginnt für mich der Tag. Ich
kann nicht essen. Jeder Bissen presst mich, würgt mich, - meine Wirtin sagt: »Sie
sind krank.« Nein, das ertrag ich nicht länger, das ist dumm, einfach dumm. Man
muss einen Versuch machen, man muss einen der Nachtpläne zu verwirklichen suchen.
- -
    Ich habe schon versucht, aber es scheint, dass all meine Federn nicht
schreiben. Sie gleiten ab, schreiben unbrauchbares Gekritzel, - - Bestimmte
Worte wollen sie nicht schreiben, ich merk' es ganz deutlich, woher ihr Sperren
kommt! Ich glaube, sie sind zu hochmütig zur Bitte. Man muss sich schämen, so
hochmütige Federn zu haben. Das deutet auf - - Ach nein, es ist ja nicht wahr,
ich bin nicht hochmütig! Ich bin nur ungeschickt. Ich sollte eine Bitte an die
Behörde schreiben, an irgend einen Senator bei uns und ihn fragen, ob es nicht
irgend eine Staatshülfe für mich gibt. Dazu werde ich doch nicht zu dumm sein?
Es ist ja das Einfachste von der Welt! Man nimmt einen Bogen Papier und
schreibt. Schreibt was? ......
    Ja, mir bleibt kein andrer Weg. Bin ich nicht ein Hamburger Kind? Gibt es
nicht Stipendien für arme Studierende? Bin ich nicht arm genug? Ich werde ihnen
alles schildern und alles beilegen: meine Studienausweise, mein Aufnahmezeugnis
an der Zürcher Universität, die Zeugnisse über meine Befähigung zur Matura. Und
ich werde herzlich bitten: »Verhelfen Sie mir zur Matura, zur Vollendung meiner
Studien, zur Promotion. Ich werde alles zurückzahlen, wenn es mir möglich ist.
Ich habe den dringenden Wunsch, etwas Nützliches zu leisten, ich werde meiner
Vaterstadt keine Unehre machen, ich fühle die Kräfte in mir, etwas für andere zu
sein.«
    Ist das zu stolz gesprochen? darf ich mir das nicht getrauen? Ist die Bitte
unbescheiden? Die Stadt ist ja reich, voller Wohltätigkeitsanstalten, voller
Stiftungen. »Leben und leben lassen«, das ist der Hamburger Wahlspruch. Eine
große hülfbereite Gutmütigkeit geht durch alle Klassen. Humor blüht überall, auf
den Straßen sogar, im dichten Menschengewühl. Wir sind ja auch eine Republik,
der einzelne Bürger steht nicht so weit vom Zentrum wie in den monarchischen
Staaten.
    Freilich, ich, - bin ich eine Bürgerin? Gehöre ich irgend wohin? Dumme
Frage! Laut Heimatschein ist meine engere Heimat Hamburg, meine weitere das
deutsche Reich.
