 manchmal tut ein Wort doch viel! Das Wort Kokarde hat mich zum
Beispiel gänzlich von der Matura-Angst befreit! Es wäre doch auch gar zu
lächerlich, sich vor der Erwerbung einer Kokarde zu ängstigen. Man erwirbt sie
eben und genug. Freilich - tragen werde ich sie niemals, die Kokarde, weder auf
der Brust noch im Gesicht, wo sie so manche tragen.
    20. Juni. Nein, diese abscheulichen Chinesen! Was die auch ausgedacht haben!
Und nicht etwa jetzt, sondern vor Gott weiß wievielen tausend Jahren, als sie
ihre abscheuliche Schrift erfanden! Für jedes Wort ein Zeichen, das sieht diesen
fetten, glatten, gelben Schlitzaugen ähnlich! Ein Zeichen, oder vielmehr ein
Bild, und das Bild für Zank, Zwist, wie stellten sie es dar? Durch zwei
einandergegenüberstehende Frauen!
    Ist das nicht eine heillose Unverschämtheit? Ja, ja, so ist Männerwitz mit
den Frauen umgesprungen, seit die Erde Menschen trägt!
    Ist Zank und Zwist denn nur Frauensache? Wer hat den Zweikampf bis heut mit
einer falschen Gloriole umkleidet? Wer erfand und pries die
Massenschlächtereien, die Kriege? Etwa die Frauen? Ha, wenn sie uns nur
beschimpfen können! Wieviele Bände könnte man füllen mit falschen Anklagen gegen
die Frauen aus den Litteraturen aller Völker! Da war kein Kirchenvater zu fromm,
kein Philosoph zu weise, er musste ein Witzchen oder ein Zötchen reißen, wenn er
auf die Frauen zu sprechen kam! Die bösen Frauen! ihre Verbrechen, ihre Laster,
ihre Unvollkommenheiten schreien zum Himmel! Und was taten sie auf alle
Beschimpfungen, auf alle Bedrückungen?
    Sie fuhren fort, den Mann zu lieben und für ihn und durch ihn zu leiden!
    Auseinandergefallen wäre alles, aufgefressen hätten sie sich wie wilde
Tiere, wären die Frauen den Männern gleich gewesen, - so sehe ich die Sache an!
    Oh, Ihr gelben und weißen Chinesen, schämen solltet Ihr Euch!
    21. Juni. Nein, es ist nicht wahr, dass die Frauen einander feindlich sind!
Nie werd' ich es glauben. Zu oft hab' ich das Gegenteil gesehen, erlebt. Das kann
nur der oberflächlichste Beobachter annehmen in irgend einem Ausnahmefall, wo
zum Beispiel Eifersucht eintritt.
    Die französischen Erzähler, die alle andern Völker in der Kunst übertreffen,
ihre Frauen schlecht zu machen, wählen mit Vorliebe Situationen dieser Art. Die
Frauen unter sich wissen von solcher Feindschaft nichts. Sie helfen sich, sie
stehen einander bei, sie verstehen sich, sie möchten, dass all ihre Schwestern gut
und glücklich wären! Viele von ihnen verstehen heut das Glücklichsein nur noch
innerhalb der engsten Grenzen, aber wir werden sie belehren, wir werden ihre
Blicke erweitern. Sie sind dankbar für jede gut und
