 nicht das Leben kosten, wenn Ihr heimkämet und ein bisschen bei der Aufsicht
behilflich wäret. Er habe bis dato keinen Menschen aufgefressen und hätte es
auch heute nicht im Sinne. Es wäre ja Platz genug vorhanden für zwei.«
    »Das hat er gesagt? Der Vater? Zu Euch? Das klingt ja beinahe glimpflich,
das heißt, ich meine verhältnismäßig, an ihm selber gemessen.«
    »Zu mir, so wie ich dastehe. Die Neue, die Bernerin, die Katri oder wie sie
heißt, hat ihn herumgebracht. Eine Viertelstunde lang hat sie ihm zugesetzt und
ihm alle Schimpf und Schande ins Gesicht gesagt, dass unsereiner vor Angst sich
hätte verkriechen mögen. Aber er hat alles geduldig über sich ergehen lassen wie
ein Schulkind, das der Lehrer abkanzelt. Nur so vor sich hin gemökt dann und
wann, wenn es allzu grob hagelte. Bis er sich zuletzt zu dem Versprechen
herbeiliess, Euch ein gutes Wort zu geben.«
    »Und das soll nun vermutlich das gute Wort vorstellen, die Versicherung,
mich nicht auffressen zu wollen?«
    Benedikt lachte mit breitem Maul. »Ja, er spendiert sie nicht mit dem
Scheffelmass, Euer Vater, die guten Worte! Er ringts mühsamer zum Vorschein, ein
gutes Wort, als der Armenverein einen Dublonen. Man sollte fast meinen, es
erstickt ihn.«
    Konrad schwieg nachdenklich. Ihm war, als wäre er die längste Zeit von Hause
fort und es müsste inzwischen in seiner Abwesenheit eine Unmenge der wichtigsten
Dinge vorgefallen sein, von denen er Nachricht wünschte. »Wisst Ihr zufällig
etwas von der Mutter, wie es ihr geht? Ist sie immer noch oben, in der
Schlafstube?«
    »Man hat sie ins Dorf zur Großmutter getan, damit sie aus dem Geschäft
herauskomme, wo sie sich doch nur unnütz selber aufregt und andern Leuten
hinderlich ist. Die Bernerin, die Katri, hat darauf gedrungen.«
    »Ein gescheiter Einfall das, der von der Katri. Wenn etwas Vernünftiges
geschieht, so hat doch gewiss sie es angeraten.«
    Der Kutscher lachte beifällig. »Ja, das ist eine Resolute. An der ist ein
Mannsbild verlorengegangen. Soll ich auch sagen, was sie mir aufgetragen hat?
Ich übernehme keine Verantwortlichkeit dafür, ich melde einfach, was ein jeder
mir aufträgt. Der eine sagt blau, der andere grün. Ihr sollt Euch lustig machen,
lässt sie Euch sagen, und nicht zu früh heimkehren. Es gehe geradesogut ohne Euch
und sogar noch viel besser. Jetzt müsst Ihr selber wissen, was Ihr zu tun habt.
Mich geht das nichts an, ich mische mich nicht hinein. Also wie steht es jetzt
eigentlich? was muss ich daheim ausrichten? kommt Ihr
