 ihm das Geschäft abzunehmen,
so strenge gebärdete er sich. Endlich stammelte sie mit demütiger Stimme:
    »Oh, seid doch nicht ungehalten, Herr Reber! oh, seid mir nicht böse! Ich
bitte Euch tausendmal um Verzeihung. Aber warum musstet Ihr auch gerade einen
Sonntag wählen? Gibt es doch Tage in der Woche genug, ach Gott, wo wir
stundenlang hätten zusammensitzen können, ohne gestört zu werden. - Was muss ich
nur tun, damit Ihr mir nicht mehr gram seid?«
    »Was bin ich schuldig?« heischte er kalt und wollte sich erheben.
    Da fiel sie laut aufjammernd über ihn her und drückte ihn nieder: »Nein,
nein, nein«, wehklagte sie erbärmlich, indem sie ihn verzweifelt umklammerte,
»nein, jetzt geht Ihr nicht schon wieder fort. Jetzt, wo wir endlich allein
sind, jetzt, wo ich Euch zum ersten Mal in meinem Leben habe.«
    Es schrie so viel wahrhaftige Herzensnot aus ihrer Stimme, aus ihren Augen,
aus ihren Mienen, dass es ihn erweichte. Schließlich, nach Hause kam er immer
noch reichlich früh genug für das, was ihn Liebliches dort erwartete.
    Er lehnte sich also wieder zur Ruhe.
    Da leuchteten zwei Sternchen der Dankbarkeit aus ihren guten Augen; sie
setzte sich neben ihn, schlug jedoch misstrauisch die Hand über seinen Arm, als
ob sie besorgte, er könnte ihr unversehens entschlüpfen, wie ein frisch
zugelaufener Jagdhund, der noch nicht vertraut ist. Und um ihm die
Abschiedsgedanken zu vertören, überschwemmte sie ihn mit Geschwätz. Zunächst mit
vorrätigen Redensarten, dann allmählich, als sie inne ward, dass keine Hinterlist
in ihm sei, mit echtem Geplauder aus dem eigenen Seelengrunde.
    »Es macht schönes Wetter heute«, warf sie ihm als ersten Brocken hin. »Und
wüchsiges. Das Gras steht so hoch und saftig wie selten im Maien. Und den
Kirschen hat die letzte Woche ebenfalls gutgetan; wenn nur nicht wieder der
Regen alles verdirbt. - Wie es grumselt von allen Seiten, schwarz von Volk, dem
Pfauen zu! Ja, Ihr seid reich, Ihr seid glücklich, Euch winkt das Leben. Wie
kommt es übrigens, dass Ihr an einem solchen Tage nicht daheim seid? Habt Ihr
vielleicht wieder einen kleinen Verdruss gehabt mit dem Vater? Es heißt, er sei
böse gegen Euch. Ich kann nicht begreifen, wie es jemand übers Herz bringen
kann, böse gegen Euch zu sein. Nun, es kommt mir zugute; ich hätte nie zu hoffen
gewagt, dass Ihr jemals zu uns kämet, so ein stolzer Herr zu so geringem Volk.«
Mit einem Male jedoch trübte sich ihr Auge, und sie sah ihn vorwurfsvoll an, als
ob
