 kann Ihnen nur auf Ehrenwort
wiederholen, was ich Ihnen neulich abends bereits gesagt habe, dass -
    Sie brauchen nicht weiter zu sprechen, unterbrach ihn Viktor. Ich habe mich
längst überzeugt, dass man mich geflissentlich auf Sie gehetzt hat, um -
    Sie auf eine falsche Fährte zu bringen. Ganz meine Meinung.
    Aber, um Gottes willen, Fernau, das ist doch ganz unbegreiflich, total
verrückt! Was kann sie an dem Menschen finden?
    Lieber Sorbitz, wer lernt diese fin-de-siècle-Frauen aus? Es ist da alles
Nerven, Idiosynkrasien, Illusionen perdues oder à perdre, falsche Appetite - was
weiß ich. Nehmen wir an, man hat sich an Kuchen übergessen und schwelgt in dem
Gedanken, wie himmlisch es sein müsste, wenn man die weißen Zähne so einmal in
Schwarzbrot vergraben könnte. Solche Anfälle gehen vorüber - glauben Sie mir!
    Sie haben gut reden. Sie sind nicht verheiratet. Sie wissen nicht, wie
unsereinem ein solcher Anfall zu Haus und Hof kommt, besonders wenn er so
lächerlich akut ist, wie dieser.
    Also erzählen Sie mir, was ist geschehen! Ich brauche Sie nicht zu
versichern, dass Sie sich auf meine Diskretion unbedingt verlassen können.
    Würde ich sonst von der vertrackten Geschichte angefangen haben! Die Sache
ist aber die -
    Und Viktor berichtete ziemlich getreu seinen Zank mit Klotilde in der
Ballnacht, und wie sich die ehelichen Verhältnisse seitdem gestaltet hatten. Nur
von einem gewissen Arrangement zu sprechen, das Klotilde zu treffen beliebt,
fand er nicht den Mut und wollte die ziemlich deutliche Anspielung Fernaus auf
die nicht ganz ungewöhnliche Methode der Herbeiführung einer Verständigung in so
verzweifelten Fällen lieber nicht verstehen.
    Man war bis zum Potsdamer Platz gelangt.
    Ich will Ihnen einen Vorschlag machen, Sorbitz, sagte Fernau. Da steht ein
Dienstmann. Schreiben Sie Ihrer Frau auf einer Karte: Sie können heute nicht zu
Mittag kommen. Basta! Und lassen Sie uns im Palast-Hotel dinieren. Ich selbst
bin noch nicht dagewesen; aber es soll sehr gut sein.
    Wozu dann noch die Karte?
    Bitte sehr! Immer die Form bewahren! Darin liegt eine ungeheure Macht. Die
Weglassung jedes Entschuldigungsgrundes wird die Demonstration für Ihre Frau
verständlich genug machen.
    Der Dienstmann war mit der Karte seines Weges geschickt; die Herren waren in
das Hotel getreten und hatten in dem Restaurant bald die ihnen zusagenden Plätze
entdeckt. Fernau, als vielerfahrener Junggesell, übernahm die Zusammenstellung
des Menü und die Auswahl der Weine. Er war in der behaglichsten Stimmung. Je
länger er Zeit gehabt hatte, über die Angelegenheit nachzudenken, desto schwerer
war es ihm geworden, den »Schulmeister« ernstaft zu nehmen. Die Sache hatte
entschieden keine tiefere Bedeutung als die eine, ihm
