 Café des Linden-Theaters, zu dem man zuerst gelangte, war noch nicht
geschlossen, wenn auch, wie man sich überzeugte, als man eingetreten, in dieser
späten Stunde nur mäßig besucht. Desto besser; so konnte man in respektvoller
Distanz von dem süßen Pöbel um so behaglicher plaudern. Es ging doch nach einer
solchen Strapaze nichts über ein vernünftiges Wort bei einer Tasse Kaffee mit
Kognac, oder auch einem Sherry-Kobbler, oder Glühpunsch und einer guten Zigarre!
    Ein famoser Abend das! Ein bisschen sehr eng und das Souper nicht ganz auf
der Höhe der Situation, aber, alles in allem, first rate! Man könne doch in der
Wahl seiner Frau nicht vorsichtig genug sein. Beispiel: der Direktor! Lieber
Gott, mit seinen Fähigkeiten - das sei auch nur so, so! la, la! aber wenn einer
einen Schwiegervater in der haute finance habe, und der mit seinen Millionen so
klug zu klimpern wisse, könne man es leicht zum Ministerialdirektor bringen und
solche routs geben. Nun schon der zweite in der kaum angefangenen Saison! Woran
es nur eigentlich mit der Verlobung von Fräulein Stephanie und Hauptmann von
Luckow hapre? Alle Welt habe geglaubt, sie werde heute proklamiert werden.
    An Luckow liegt es gewiss nicht, sagte ein Referendar. Barkis is willing.
    Einige lachten. Was heißt das? fragte ein blutjunger Lieutenant.
    Aber, Leisegang, Sie werden doch den Kopperfield gelesen haben!
    Habe ich.
    Nur, wie es scheint, nicht englisch.
    Liegt ganz aus unsrer Schusslinie. Büffle jetzt furchtbar russisch. Verdammt
schwere Sprache.
    Keine gelehrten Unterhaltungen, Ihr Herren! rief ein Dritter. Um auf
Fräulein Stephanie zurückzukommen: sah heute großartig aus.
    Die Sorbitz ist ihr doch über.
    Sie haben nun einmal ein faible für die Sorbitz.
    Sie etwa nicht?
    Wer keins für sie hat, hebe die Hand hoch! Da kein Widerspruch erfolgt,
erkläre ich Frau von Sorbitz für die Krone der Weiber.
    Und Fernau für den Beneidenswertesten der Sterblichen.
    Wenigstens gibt er sich die erdenklichste Mühe, es zu werden.
    Mir scheint, er hat in letzter Zeit merklich an Terrain verloren.
    Oder das Rennen aufgegeben.
    Sorbitz versteht in gewissen Dingen keinen Spaß.
    Versteht er überhaupt welchen?
    Ich lasse nichts auf ihn kommen.
    Weil er Ihr Korpsbruder war!
    Allerdings. Und der Stolz des ganzen Korps. Er hat mindestens zwanzig
Mensuren gehabt, wobei ich noch zwei auf Pistolen nicht einmal mitrechne.
    Niemand zweifelt an seiner Bravour.
    Würde dem Zweifler auch schlecht bekommen. Er hat die Gewohnheit, seinen
Gegner mit ein paar Blutigen abzuführen.
    Was nicht hindert, dass er die Kourmacher seiner Frau ein bisschen sehr frei
laufen lässt.
    Que voulez-vous? Er
