 Ohren wundreden.
    Er ist denn doch fürchterlich vornehm.
    Höchstens geht er mit altem Geschirr zum Trödler.
    Den Osman mag er nicht mehr sehen, weil der stets nach dem großen
Dschinnengedicht fragt.
    Wenn Safur in diesem Jammerleben an die Dschinnen denkt, wird ihm ganz wüst
im Kopf.
    Diese täglichen groben Rohheiten des gewöhnlichen Lebens vertragen sich
nicht mit seiner Sehnsucht nach feinstem vergeistigtem Genuss.
    Überhaupt - der Genuss!
    Wer kann noch an den Genuss denken, wo das Leben auf dem Spiele steht.
    Leben - leben - wollen sie Alle - das ist die Hauptsache - an den Genuss
können sie Alle vor lauter Sorge garnicht denken.
    Aber das hindert Niemand, jede Gelegenheit zum Trinken fleißig wahrzunehmen.
    Es geht Allen schrecklich schlecht, doch - betrunken sind sie Alle - so
beinahe jeden zweiten Tag.
    Oft ruft Safur, wenn er den teuersten Wein aus Bassora vor sich stehen hat:
    »Freunde, eigentlich könnten wir doch gewöhnlichen Landwein trinken - wozu
immer den teuren Wein aus Bassora?«
    Indessen - wenn der Dichter so redet, macht man ihn darauf aufmerksam, dass
er doch der größte Feinschmecker sei und - und - dann trinkt er natürlich Alles,
was man ihm vorsetzt.
    Das Jammerleben hat sehr viele drollige Seiten - sehr viele.
    Schließlich leiden selbst diejenigen, die eigentlich gar keine Veranlassung
zum Leiden haben.
    Auch der dicke Kodama bekommt ein leidendes Aussehen. Er hat die weiße Abla
als Köchin in sein Haus genommen - und die Abla ist ihm davongelaufen.
    Die Abla liebt die Veränderung und lebt jetzt bei der alten Dschellabany,
die immer älter wird. Dort bezaubert sie mit ihrem Gesange jeden Tag einen
anderen Jüngling.
    Ihre Worte sind süß wie Honig - sie zerschmelzen auch so leicht wie der süße
Honig. Was sie am einen Tage sagt und schwört, hat sie am andern vollständig
vergessen - manchen Jüngling hat sie zum trüben Kopfhänger gemacht.
    Die Sailóndula hats beim dicken Osman ebenfalls nicht aushalten können - sie
tanzt jetzt auf dem Karawanenplatz unter jenen rotseidenen Zeltdächern, die sich
so prächtig von dem tiefblauen Himmel abheben, der so voll und groß Bagdad
überwölbt.
    Der Sailóndula liegen die dunklen Augen sehr tief im Kopf - man sieht die
indische Tänzerin oft mit dem alten Sünder Suleiman zusammen, der immer
schleunigst davonschleicht, wenn er einen lauteren Bruder erblickt.
    Suleiman tut so, als wenn er ärmer wäre denn je zuvor - er will sein Geld
für sich behalten. Nur dem Said schenkt er zuweilen ein paar Kupfermünzen -
heimlich, dass es Niemand bemerkt.
    Kommt der alte Said zur Tarub, so gibt die auch immer was - ein bisschen
Fleisch und ein bisschen Brot, einen Schluck Wein und ein Silberstück.
    Said ist bescheiden und kommt nur einmal in der Woche, redet
