 und eine Seele.
    Nun gehts ans Erzählen.
    Er erzählt ihr Alles.
    Und er schildert ihr das Fastenfest.
    Die Tarub schauert zusammen - was Fürchterlicheres als »hungern« kennt sie
nicht.
    Wie Jemand freiwillig hungern kann, vermag sie nicht zu verstehen.
    Und als nun Safur von dem großen Oberpriester Tschirsabâl erzählt, wird sein
Ton immer heftiger.
    »Denk Dir, Tarub«, ruft er zornbebend, »weißt Du, wie mich der Esel nannte?«
    »Nein, ich weiß nicht!« erwidert die Tarub.
    Doch gleich darauf schreit der Dichter:
    »Esel hat er mich genannt - Esel!«
    Die Erregung der Beiden ist anitzo nicht von Pappe.
    Safur vermag sich garnicht über den frechen Kerl zu beruhigen, der es wagte,
den feinsten Kopf von ganz Bagdad, den geistreichsten Dichter der Araber, einen
Esel zu schelten.
    »Hätt ich nur meinen alten Dolch gehabt!« sagt leiser der kluge Safur, »ich
hätte ihm schon bewiesen, wie man in Bagdad frechen Hunden zu begegnen weiß.
Aber der Kerl war ja zwei Köpfe größer als ich. Mit bloßen Händen konnt ich doch
nichts gegen ihn machen.«
    »Siehst Du!« versetzt da so recht ernst die Tarub, »warum trinkst Du immer
soviel? hättest Du nicht soviel getrunken, so hättest Du damals nicht den Dolch
versetzt und hättest Dir das von diesem alten Priester nicht gefallen lassen
brauchen!«
    Diese Bemerkung beruhigt den Safur grade nicht - Ermahnungen sind ihm sehr
sehr lästig.
    Er zieht daher verächtlich lächelnd seinen neuen Dolch hervor, der noch
schöner und noch länger ist als der alte.
    Den neuen Dolch hat ihm der Battany geschenkt.
    Safur schimpft dann auf die Priester im Allgemeinen, während die Tarub den
Dolch bewundert.
    Er nennt das Fastenfest einen lächerlichen Schwindel, eine große Albernheit,
eine Narretei, hinter der nichts - garnichts dahinter sei.
    Er ist wütend über das Wichtigtun der ssabisschen Priester - über ihre
albernen Geheimnisse, in denen alles, was unklar und verschwommen ist, eine
Heimstätte fand.
    Dem aufgeklärten Bagdader Dichter ist die Religion eigentlich in jeder Form
verhasst.
    Er hat eine Abneigung gegen alles Halbverstandene und Verschwommene im
Gefühlsleben.
    Er will das Gefühlsleben immer ganz klar durchschauen - jede Schwelgerei im
Unklaren ist ihm unangenehm.
    Er lehnt sich in längeren Reden gegen die Unklarheit und gegen das
Verwaschene auf - sodass der Tarub, die natürlich nichts von alledem versteht,
die Geschichte schon langweilig zu werden beginnt - was sie ihm denn auch gleich
ein bisschen zu verstehen gibt.
    Na - das gefällt ihm wieder nicht - nein - das verwundet ihn sogar - er ist
verletzt und verstummt -
    Eine ganze Masse von Empfindungen stürmt auf ihn ein - sodass er garnicht
weiß,
