
und braunen Streifen des feinen Kleides schlotterten lässig mitgezogen in
unregelmässigen Falten um Körper und Beine herum - was sehr reizvoll aussah - was
Safur wusste.
    Die nächste Gasse ist leider sehr schmutzig, und die Sandalen der Dichter
werden nass, ihre braunen Füße desgleichen. Safur flucht, hebt sein Kleid
vorsichtig mit den braunen hagren Fingern höher und ärgert sich - über die
Pfützen und über manches Andre.
    »Jetzt«, ruft er wütend, »macht ein grüner Schimmel ein größeres Aufsehen
als die beste Kasside. Gute Verse werden heute schon schlechter bezahlt als rote
Pantoffeln, die allerdings in den Pfützen Bagdads sehr wertvoll sind ...«
    Der gutmütige Suleiman hat seine Not mit dem Ärgerlichen, versteht es aber -
zu trösten, sagt so ganz ruhig:
    »Sieh, Safur! Der Schmutz der Gasse ist noch nicht das Schlimmste auf dieser
schlimmen Welt. Was Besondres haben wir ja nicht vor. Unsre Sandalen werden
schon wieder trocken werden. Nebenbei - wundern muss ich mich denn doch, dass Du
Dich gleichzeitig über den geringen Preis ärgerst, den man heute für gute Verse
zu erhalten pflegt. Warum machst Du nicht ein Lobgedicht auf unsern alten
Geizhals Said ibn Selm? Der ist doch für Lobgedichte immer zu haben, würde sich
über Safurs Verse sehr freuen und sie sehr gut bezahlen.«
    »Das Lobgedicht kannst Du machen«, versetzt ingrimmig der jüngere Dichter.
    Und Suleiman meint drauf lächelnd: »Oh! Oh! Das will ich mir gesagt sein
lassen. Hast Recht! Ein alter Dichter braucht auch viel eher einen reichen
Freund als ein junger Mensch, wie Du einer bist.«
    Die nächste Gasse ist wieder trockner, und Safur wird wieder freundlich. Er
legt seinen rechten Unterarm auf den linken des alten Suleiman und plaudert -
von Tarub.
    Dem Alten wird ein bisschen neidisch zu Mute, er spricht bitter: »Ja! Wer
eine Tarub hat, der kann stolz sein! Der hats nicht nötig, einen Said ibn Selm
zu loben. Aber erzähl mir nicht mehr von ihr! Erzähl mir lieber, was Du jetzt
als Dichter vorhast!«
    Der zart empfindende Safur hört auch gleich von der Tarub auf und teilt
seinem alten Freunde - fast zitternd vor Erregung - mit, dass er unter die
Beduinen gehen möchte. Er habe kürzlich wieder die Antarsage gelesen und sei
ganz toll geworden, schwärme nur noch für die blauäugigen Dschinnen, jene wilden
schwarzen Wüstengeister, die auf feurigen Hengsten nachts durch die Wüste jagen,
um die Karawanen zu verfolgen. An die Tarub dachte plötzlich der leicht
erregbare Dichter ganz und gar nicht mehr; aber vom König Saiduk, jenem
Geisterkönig, der nur die Dschinnen - niemals einen Menschen sehen durfte,
konnte Safur nicht genug erzählen.
