. Ich sagte: warum soll
ich mich für eine köstlich schmeckende Speise nicht ebenso herzlich begeistern
wie für eine neue Stadt oder für ein neues Buch? Warum nicht? Ich empfinde doch
beim Essen ebenso leicht was wie beim Lesen und Reisen. Doch er verstand mich
nicht. Und der alte Querkopf Abu Hischam - den Philosophen meine ich - der stand
dem Jakuby noch bei.«
    »Weißt Du«, erklärt eifrig die Tarub, »vom Essen verstehen eigentlich die
meisten Menschen nichts. Dieser dicke Vielfrass, der Schreiber Osman! ich sage
nichts - aber ich habe sehr oft das Gefühl, als wärs ihm ganz gleichgültig, was
er isst - wenns nur viel ist.«
    Safur schiebt die Schuld an dieser Vielesserei den Tofailys in die Schuhe -
diese Schlemmer müssten Alles unmäßig treiben, anders wäre ihnen nicht wohl ...
    Jetzt plaudern die Beiden, erzählen sich was.
    Der Tarub fällt dabei was Neues ein.
    »Bei Allah!« fängt sie erschrocken an, »ich vergaß ja - hast Du denn noch
nichts von dem Morde heute Morgen gehört? Nein?«
    Safur hält diesen Mord nicht für besonders merkwürdig, ist der Meinung, dass
so was alle Tage in Bagdad vorkommt.
    Das bringt aber die Tarub ganz aus der Fassung, sie redet ihrem Dichter ins
Gewissen:
    »Safur!« sagt sie eindringlich mahnend wie eine Mutter, »wie kannst Du so
sprechen? Es ist doch schrecklich, einen Menschen zu morden. Über den Tod darfst
Du nicht so leichtfertig denken. Sieh, diese wüsten Tofailys haben den Mord
begangen - einen alten Wollkrempler haben sie totgestochen. Du solltest doch
nicht mehr mit den Tofailys verkehren - sonst stechen sie Dich auch noch tot!
Versprichs mir!«
    »Hier hast Du meine Hand!« ruft feierlich der Dichter aus, »ich will mich um
Deinetwillen niemals totstechen lassen.«
    Die Tarub springt ärgerlich auf, sie ist bös - immer, wenn sie ernst wird,
ist er spöttisch - so recht nichtswürdig kann er sein.
    Safur tröstet seine ärgerliche Köchin in ganz eigener Art, sagt:
    »Höre, liebe Tarub! Mord ist Mord - Mord bleibt auch Mord - ob Du darüber
traurig oder vergnügt bist, wird aus dem Morde nicht etwas Andres machen -
Tatsachen sind und bleiben unveranderlich. Du kannst Dich über alles grämen,
über alles kannst Du Dich ärgern - kannst Dich aber auch über alles freuen -
über alles lachen, alles verspotten - darfst auch alles beweinen. Wie man sich
nach einer Tat - oder einer festen Tatsache gegenüber benimmt, das ist grausig
gleichgültig.«
    Diese weisheitsvollen Worte versteht die Tarub natürlich nicht - das ist ihr
viel zu schwer.
    Sie wird aber immer ruhig, wenn sie
