 Antwort.
    Battany und Jakuby treten grade - immer noch flüsternd - mit mürrischen
Gesichtern in den Empfangssaal. Sie sehen Bagdads dickste Freunde merkwürdig
steif auf dem Teppich sitzen. Suleiman wärmt sich noch immer die Hände an dem
einen Kohlenbecken.
    Man begrüßt sich, indem man schweigend leicht das Haupt nach vorne beugt,
was sehr drollig aussieht ...
    Es ist einen Augenblick wieder still.
    Dann jedoch knarren die Treppenstufen, und herein stürmt wie ein Wilder der
große Philosoph Abu Hischam.
    Malerisch schlottert ihm sein alter Kittel um die dürren Beine, die
armenische Pelzmütze sitzt ihm schief auf den lockigen braunen Haaren, sein
zottiger Bart zittert ihm, und die großen braunen Augen rollen ihm im Kopfe.
    Abu Hischam haut mit der Faust auf den Globus und stampft mit dem rechten
Fuß auf den Boden.
    Kodama springt empor. Suleiman, Battany und Jakuby kommen erschrocken näher.
    »Was ist denn los?« schreit der dicke Kodama.
    Doch der Philosoph reckt die Faust zum Himmel auf und fragt heiser: »Wisst
Ihr noch nichts?«
    »Ich weiß Alles!« ruft traurig der dicke Schreiber.
    Die Andern aber wollen nun wissen, was los ist. Und Abu Hischam erzählt wirr
und erregt: »Was wir immer gefürchtet, ist geschehen. Der Chalif Mutadid - dieser
Hund - er hats gewagt - er hat ein neues Gesetz erlassen. Er hat verboten - man
höre nur! - Bücher herauszugeben, die einen philosophischen oder politischen
Inhalt haben. Das heißt: wir dürfen überhaupt keine Bücher mehr herausgeben. Ist
das nicht stark? Weder Philosophisches noch Politisches soll ins Volk dringen -
das heißt: wissenschaftliche Bücher sollen nicht mehr geschrieben werden. Was
sagt Ihr nun? Er hats gewagt! Der Hund! Der Hund! Dieses verfluchte Aas!«
    Und alle Sechs werden fürchterlich wütend - sie schreien gellend
durcheinander.
    Battanys Toga fliegt umher wie ein Segel im Sturm. Jakuby fuchtelt mit dem
rechten Zeigefinger vor seiner Nase herum. Kodama schlägt sich immerfort mit den
Fäusten vor die Brust. Suleiman ringt die Hände. Osman stöhnt.
    Der Philosoph Abu Hischam brüllt wie ein Stier, schimpft wie ein
Kameltreiber und hält, wie sich der Lärm ein wenig gelegt, eine Rede:
    »Freunde!« ruft er, »was ich schon immer empfahl, das empfehle ich jetzt
noch einmal - das muss jetzt endlich zur Tat werden. Wir müssen einen Geheimbund
gründen und unsre Bücher unter uns herausgeben - nicht fürs Volk. Was haben wir
davon, wenn unsre Bücher gekauft und gelesen werden von Leuten, die uns garnicht
verstehen können? Bilden wir lieber endlich eine abgeschlossene gelehrte
Gesellschaft, die ihre Bücher nur unter ihre Mitglieder verteilt. Wir Gelehrte
schreiben doch nur für die andren Gelehrten - lasst
