 er
lachte wieder mal nicht - erwidert dem Abu Hischam mit ganz ernster Miene:
    »Lieber Abu Hischam, Du bist vollkommen im Irrtum, wenn Du glaubst, dass
diejenigen Menschen, die immer was tun müssen, um sich die Zeit zu vertreiben,
die Entwicklung der Menschheit fördern. Arbeiten kann schließlich Jeder - das
ist nichts Besondres. Du glaubst wohl, Dichten sei auch nur Arbeiten, nicht
wahr? Nein, Dichten und Arbeiten sind zwei ganz verschiedene Dinge. Wer wirklich
was hervorbringen will, das die Menschheit fördern kann - der muss einem fernen
unerreichbaren Ziele zustreben. Wer das nicht tut, wird nichts Besondres tun.
Wenn ich bloß ein Gedicht schreiben wollte, wies jeder dumme Tofaily
fertigbringen kann, so dürft ich mich nur gleich begraben lassen. Ich will mehr
- ich will das Unmögliche, das Unbeschreibliche, das Große, das Bedeutende - das
wird aber nicht in einem Tage geboren - das wird vielleicht nie geboren - doch
man soll dem Unmöglichen nachstreben - nur so kann was Neues entstehen. Ich
arbeite nicht - ich dichte. Und was ich mache, geht Euch garnichts an. Kümmert
Euch doch um andre Dinge. Für Euch ist ja doch nur der ein berühmter Mann, der
ein paar tiefe Gedanken in den Dreck ziehen und zu gewöhnlichen Gedanken machen
kann. Ihr seids wahrlich nicht, die die Entwicklung der Welt fördern. Ihr habt
nur immer an mir gezehrt und Euch mit meinen Witzen gebrüstet. Ihr habt nie
gewusst, was Ihr von mir halten solltet. Nennt mich doch unfruchtbar! Nennt mich
doch, wie Ihr wollt. Es ist schon zuviel, dass ich Euch Red und Antwort steh. Ihr
rennt dem Erreichbaren nach - das tut die Tarub auch - natürlich - Tarubs Brüder
seid Ihr - nicht lautere Brüder. Ganz Bagdad ist für mich Tarub - die ganze
Welt, die Ihr mit Euren stumpfen Sinnen sehen und begreifen könnt, ist für mich
nur Tarub. - Ich aber will in eine andre Welt, in die Ihr nie hinein könnt!«
    Da murren die lauteren Brüder, und man muss befürchten, dass es am Strande des
Tigris sehr - sehr ungemütlich wird.
    Zum Glück ergreift wieder der lustige Abu Hischam das Wort, streichelt
Tarubs Zopf und sagt:
    »Nun, liebe Tarub, sei nur nicht traurig, dass Du auch Tarub bist. Bagdads
berühmte Köchin zu sein, ist auch ein Verdienst. Mit dem großen Dichter Safur
kannst Du Dich natürlich nicht vergleichen, der ist ja Bagdads berühmter
Dichter. Aber wenn ich zwischen Euch wählen sollte, so nähm ich doch die Köchin
lieber als den Dichter - bei der Köchin weiß ich doch immer, was ich habe. Wo
bliebe die Literatur, wenns keine Tarub gäbe? Freunde
