 Dichter, so wird der zum
Schluss gewöhnlich sehr grob und schreit dann:
    »Mein Freund! Tarub bist Du, Tarub warst Du, Tarub wirst Du bleiben. Die
Familie Tarub ist unsterblich - unsterblich!«
    Das verstehen freilich die Meisten nicht - daraus macht sich aber der große
Dichter ganz und gar nichts.
    Die Tarub, die mit Müh und Not noch täglich für den Dichter was zu essen
kocht, redet nur noch von »Geld« und ringt täglich die Hände zum Himmel, dass sie
Safur jemals kennenlernte, der sie nur um all ihr Hab und Gut gebracht habe ...
    Und Safur wird, wenn er das Wort »Geld« hört, beinah verrückt, er schreit
dabei wie ein wildes Tier, wirft sich auf die Erde und weint zuletzt.
    Das ist schon eine Zucht bei der Tarub.
    Wenn der gutmütige ehrliche Abu Hanifa kommt, atmet Safur erleichtert auf -
dem kann der Bär sein Herz ausschütten, was zu beruhigen pflegt.
    Den Abu Hischam mag der Bär nicht - den Kodama und den Hamadany begrüßt er
dagegen jedesmal freundlicher.
    Safur wird von diesen Beiden mit seiner Sphinx gefoppt, was die Tarub ganz
gern hat.
    Kodama behauptet, dass eine Sphinx garnicht leicht zur Liebe zu bewegen ist,
weil die Liebe in der Sphinx eine ganz andere Empfindung erzeuge, als in den
anderen Weibern.
    Safur hält das für Hohn und sucht Beruhigung im Weinschlauch.
    Der gutmütige Abu Hanifa ist stets bereit, seine letzten Silberlinge mit dem
Dichter zu vertrinken.
    Beim Weine beklagt man vornehmlich, dass der reiche Al Battany immer noch
nicht aus Indien zurückkehren will. Abu Maschar, der ganz einsam auf der
Sternwarte wohnt, wollte Nachricht geben, wenn er was von Battanys Rückkehr
erfahren sollte. Doch der Prophet lässt nichts von sich hören.
    Jakuby ist auch noch nicht in Bagdad. Die Tarub wird immer aufgebrachter.
    Wie Safur in einer Nacht ganz betrunken in die Küche stolpert und behauptet,
dass ihn seine Dschinne als Gespenst verfolge, wird die Tarub so erregt, dass sie
ihrem Dichter sagt:
    »Jetzt kann ichs nicht mehr aushalten. Ich kanns nicht. Du darfst meine
Küche nicht mehr betreten, wenn Du jetzt nicht endlich Geld schaffst. Ich muss
jetzt mein Geld wiederhaben - mein Geld! Ohne Geld darfst Du nicht
zurückkehren!«
    Safur sagt nichts und geht fort - in die Nacht hinaus - die Tarub wird ihm
auch zum Gespenst.
 
                              Neunzehntes Kapitel
Wie die Sonne aufgeht, sitzt Safur neben Abu Maschar auf der alten Sternwarte im
Empfangssaal.
    Da ist es still.
    Das Licht der Sonne ist rot.
    Rote Wolkenstreifen durchqueren den klaren, blauen Morgenhimmel.
    Das indische Götzenbild im Hintergrunde des Saales wird auch rot.
    Rot funkeln gleichzeitig die silbernen Querstreifen der
