 wirst wohl empfangen sein!
    - Sind Weiber dabei?
    - Pfui! So einer bist Du? Daher der Cylinderhut und die Koteletten?
Kalipsichore verhüllt ihr Haupt.
    - Wer?
    - Kalipsichore, die Muse der epischen Tanzkunst, wenns gefällig ist. Sie
wird persönlich da sein. Im Civil heißt sie Hulda Ranker. Du kennst doch das
Zeitwort rankern?
    - Ich glaube, Du bist betrunken.
    - Bleibe fest und glaube getrost, Du wirst nicht irre gehen. Aber vergiss die
Zigarren nicht! Du kannst auch Huldan ein Korsett mitbringen. Ich habs ihr schon
lange versprochen. Doch von Seide muss es sein!
    Girlinger hielt es für gut, sich nun zu verabschieden.
    - Total versumpft! dachte er bei sich. Und wie der Mensch aussah! Dieses
angeschwemmte Fett unter fast gelber Haut! Diese unstäten schwimmenden Augen!
Und salopp! In einem Korps scheint er nicht zu sein. Sogar die Wäsche nicht
sauber. Und die Hand feucht. Wie er dahin geht, der richtige Gewohnheitssäufer,
der zwar nicht direkt schwankt, aber doch auch nicht richtig gradeaus gehen
kann. Natürlich auch Gedankenflucht. Er kann sicherlich keine zehn Zeilen
logisch schreiben. Delirantenphantasie. Ein Ragout im Hirnkasten. Wie viel
Schulden mag der Mensch haben!
    Girlinger hatte ein schönes psychologisches Thema für sein Tagebuch.
Stilpes Wohnung lag im Durchgang der großen Feuerkugel (Einst wohnte Goethe hier
- jetzt Wir!) drei Treppen hoch und bestand aus einem mäßig großen Zimmer und
einem Alkoven.
    - Der einzige Fehler dieser Bude ist, pflegte Stilpe zu sagen, dass sie
gerade Wände hat. Schiefe Wände wären stimmungsvoller. Aber man beachte die
charaktervolle Schäbigkeit der Ausstattung! Wer angesichts dieses pöbelhaften
Sophas, dieser kontrakten Stühle, dieses ewig wackelnden Tisches und dieses
immer aufklaffenden Kleidersargs, von dem infamen »Napoleon in der Schlacht bei
Leipzig« ganz zu schweigen, daran dächte, hier die Miete nicht schuldig zu
bleiben, müsste ein gefühlloser Barbar genannt werden. Was aber das Bett anlangt,
meine Lieben, so gibt es keine vorlautere Bestie als dies. Es quietscht schon,
wenn man es ansieht, geschweige denn... aber das ist ein rein musikalisches
Thema.
    In dieser Wohnung also, die wirklich abscheulich war, versammelte sich am
folgenden Sonntage das Cénacle zur Feier der endgiltigen Aufnahme des Philologen
Lehmann, der soviel Geschmack am Cénacle genommen hatte, dass er sich selber an
den gröbsten Verhöhnungen seiner Person beteiligte.
    Stilpe erschien eine halbe Stunde vor Beginn der Festlichkeit. Mit ihm
betrat Hulda Ranker das Zimmer. Sie tat es mit der Sicherheit einer Person, die
mit den Lokalitäten vertraut ist. Hübsch war sie eigentlich nicht, aber sie
hatte das gewisse Pusselig-Graziöse der Leipzigerin, an der der Kenner noch
heute
