 würdig gefunden hatte, zum Schauplatz seiner letzten
Sitzung zu ernennen.
    Nun, es ging hoch her, und vorzüglich in Versen. Eigentlich hatte man
vorgehabt, hier, mit freier Benutzung des Hambacher Festes als Vorbild,
sämtliche Schulbücher zu verbrennen, aber Stilpe hatte sich rechtzeitig des
Deklamators in Leipzig erinnert, wo man diese nichtswürdigen Schwarten
gewinnbringender anlegen könnte, und so unterblieb dieser Teil des
ursprünglichen Programmes. Dafür wurde die Schildkröte des Cénacles, »in ihrer
Eigenschaft als Symbol einer in Unfreiheit befangenen Vereinigung und um ihrer
nachgerade störend wirkenden Ähnlichkeit mit jenem pp. Pädagogen willen«, in die
Mulde geworfen, wozu man sang:
Lebewohl! Lebewohl,
Niederträchtiges Symbol!
Schwimm vorbei! Schwimm vorbei,
Schauderhaftes Konterfei!
Dann aber hub Stilpe seine große Schlussrede an, die mit den beifallumtosten
Worten endete: Le cénacle est mort! Vive le cénacle!
    Und man schwur sich, in Leipzig »keinesfalls den atavistischen
Farbenblödsinn jener kläglichen Jünglinge mitzumachen, die einer bunten Mütze
bedürfen, um sich als Studenten und freie Bürger einer Universität zu fühlen,
sondern sofort ein neues, das eigentliche Cénacle zu gründen als die erste
künstlerische Studentenverbindung mit neuen Bräuchen und neuen Zielen!«
    Eine unendliche Debatte knüpfte sich an diesen Schwur. Stilpe entwickelte
das größte Programm:
    1) Jeder muss ein Mädchen haben (aber richtig haben, nicht etwa bloß in
dieser knabenhaft blümeranten Manier!).
    2) Jede Ähnlichkeit mit bestehenden Verbindungen muss vermieden werden. Keine
Mützen! Sondern graue Cylinderhüte!
    3) Man geht nur auf Säbel los! Die Schläger sind pur enfantillage. (Das Wort
war ihm aus der Vorrede zur deutschen Übersetzung der Vie de Bohème geläufig.)
    4) Man muss eine Zeitschrift gründen.
    5) Man muss sich einen Barbemuche zu verschaffen suchen, d.h. einen
ehrgeizigen Esel, der für »bessere Bowlen« sorgt.
    Dieses Programm wurde im Allgemeinen angenommen, eine sehr genaue Beratung
und Ausarbeitung jedoch vorbehalten.
    Als man sich dann zum Heimgehen anschicken musste, weil das Dorf eine
»geradezu mittelalterliche« Polizeistunde hatte, war Stilpe so betrunken, dass
die Drei ihn schleppen mussten. Unaufhörlich stellte er den Antrag, für Cénacle
künftig Bertacle zu sagen und ihn zum Geheimrat Ammer zu bringen, wo er sich
durchaus vorstellen müsse.
    Die Anderen aber sangen unablässig, fast pausenlos:
    Auf in den Kampf Tore-e-e-ero!
 
                                  Drittes Buch
                           VIR IVVENIS DOMINVS STILPE
 In Gottes Apotheke gährt
Ein Stoff, der ist mir herzlich wert,
Ihm hab ich mich ergeben.
Wär er nicht da, die Welt wär hohl;
Oh Du viel lieber Alkohol,
Von dir lernt ich das Schweben.
Jawohl!
Jawohl!
Das Schweben zwischen den Polen,
Das lehrte mich der Alkohol;
Will
