 Kaleschenfenstern, allein.
    Diese »Kollegen«! Wie ernst! Wie bedeutend! »Beamte der öffentlichen
Meinung. Richter im Reiche des Schönen. Staatsanwälte des Geistes. Pioniere des
Fortschritts. Enkel Lessings. Verantwortliche Redakteure der Moral.« Oh, ihr
...!
    Na! Ich kenne euch doch? Ihr habt doch allerhand Respekt vor mir? Ich
unterstehe doch annoch makellos eurem Ehrengerichte? Wisst ihr denn nicht, dass
ich täglich Unzucht mit allen Lastern des Witzes treibe? Warum werft ihr mich
denn nicht hinaus?
    Solltet ihr ... auch ...? Blos nicht mit soviel Frechheit ...?...
    Wie, wenn ich einmal meine Komödie, die ja ein Stück der euren ist, ohne
Schminke auf eure Papierbühne brächte? Wenn ich die literarischen Hungerleider,
die von Gnaden des Elends noch anständig sind, aufriefe gegen die gewürdeten
literarischen Beutelschneider und Gaudiebe? Wenn ich zeigte, was für Wäsche
unter den schönen Röcken der Würdenträger der öffentlichen Meinung steckt? ...
    Halt! Das ist Stil für die Öffentlichkeit; ich kann die Passage in meiner
Brochüre verwenden, die ich wie einen Klotz in den Tintensumpf werfen will.
    Ah! Da haben wir ja schon Plan und Titel: Eine Brochüre: Der Tintensumpf.
Schon bin ich inspiriert!
    Aber hier wollen wir doch lieber nach Möglichkeit ehrlich sein, - was habe
ich also vor!? Wenn ich es mir recht überlege: Ich will mir, da ich von dieser
Bühne abzutreten gesonnen bin (bin ichs wirklich?) einen guten und womöglich
praktischen Abgang verschaffen. Ich will sensationell abtreten, um - drüben ein
anderes gutes Engagement zu bekommen?
    Nein, das nicht.
    Aber es wäre vielleicht möglich, dass mir dieser Abgang die Möglichkeit gäbe,
eine eigene Bühne, eine Protestbühne zu gründen.?... Hm. Die Perspektive ist gut
... Geht die Brochüre, so findet sich wohl ein spekulativer Herr, der mir meine
eigene Zeitung gründet: Die Zeitung der Zurückgewiesenen, das Blatt der Bohèmes
auf jedem Gebiete...
    Und: Kein Zweifel, dass die Brochüre gehen wird! Welcher Skandal ginge nicht?
Aber ich muss rücksichtslos sein, wie ein Wilder und boshaft wie ein Affe.
    Sagen wir ruhig: Es muss ein braves Pamphlet sein.
    Machen wir! Ist nicht der Tintensumpf unleugbar? Bin ich mir nicht das
schönste Modell? Hat mich dieser Sumpf nicht ruiniert?...
    Der Teufel, ich komme immer in den Stil für die Öffentlichkeit. Ich bin
wirklich allerliebst eingeseucht; es scheint, ich kann mir schon selber nicht
mehr die Wahrheit sagen. Aber für diesen Zweck ist das eigentlich ausgezeichnet!
Ich werde teilweise unbewusst lügen, und eine
