
sehr breitem schwarzem Bande besonders auffiel, sagte mit einem schiefen
Lächeln: Nächste Woche kommen Sie dran! Die freien Rhytmen habe ich schon klein
gehackt. Man tut, was man kann.
    Der Lyriker machte noch eine Verbeugung und wollte etwas sagen, aber da war
der Herr mit dem schwarzen Klemmerbande schon weiter gegangen. An einem
Ecktisch, wo der Kellner bereits den Absint filterte, ließ er sich nieder.
    - Wer war denn das? fragte eifrig der Dramatiker.
    - Kennst Du denn den nicht! antwortete erstaunt der Lyriker: Stilpe!
    - Was? Den Kerl grüßt Du? Dem schickst Du Deine Bücher? Das ist ja der
infamste Hund, der je kritisch gebellt hat!
    - Schrei doch nicht so! Mit dem ist Freundschaft besser als Feindschaft.
Übrigens hat er wirklich Geist.
    - Ach was: Geist! Ein Molch ist er! Eine niederträchtige Bestie! Ein
impotenter Neidbold, der sich einbildet, mit Schnoddrigkeit alles totmachen zu
können. Die Reitpeitsche gehört ihm! Eine Witzwanze ist er!
    - Was hat er Dir denn getan?
    - Mir wird er erst noch was tun, aber ich hasse ihn schon vorher. Dieses
Gezücht muss ausgerottet werden, Du hast es ja vorhin selber gesagt!
    - Bitte recht sehr! Ich war noch nicht fertig! Leute wie Stilpe nehme ich
aus. Er ist freilich ein Pamphletist, aber, zum Teufel, er hat einen alten Hut
voll Talent.
    - Ich pfeife auf diese Art von Talent, hinter dem kein Charakter steckt.
Galle, Neid und Größenwahn, nichts weiter! Den alten Hut haben hier Viele auf.
    - Du irrst Dich, es steckt mehr dahinter. Stilpe ist eine der
interessantesten Erscheinungen in der Berliner Literatur. Ein giftiges Aas,
meinetwegen! Aber: Unerschrocken! Kennst Du denn seine Karrière?
    - Ach was! Er wird sich durchgebohrt haben wie alle diese Holzpapierwürmer.
    - Urteile doch nicht so ins Blaue! Ich sage Dir offen: Ich habe Respekt vor
dem Mann!
    - Oder Angst.
    - Unsinn! Respekt sage ich.
    - Auch Hochachtung?
    - Ach! Hochachtung. Vor einem Kritiker hat man nie Hochachtung. Aber er
imponiert mir. Die Art wie er sich durchgesetzt hat, gefällt mir, weil sie
beweist, dass ihm der ganze Journalismus nur eine Gelegenheit zu Stilübungen ist.
Vor drei bis vier Jahren ist er hier in einem Koupée vierter Klasse angekommen,
ganz abgerissen, ohne die geringsten Verbindungen. Als Reporter hat er
angefangen, d.h. eigentlich bloß als Hilfsreporter, und bei was für Blättern! Es
heißt übrigens, dass er damals in verschollenen modernen Revüen Gedichte
veröffentlicht hat. Jedenfalls hat er, während er hier beim literaraischen Tross
mitschuftete, nach auswärts in
