 und wenn es überhaupt Autoritäten in Sachen von Geschmack und
Mode gibt, wo wären sie besser zu finden als im Regiment Ihrer Kaiserlich
Königlichen Majestät von Grossbritannien und Indien? Irland lass ich absichtlich
fallen und nehme lieber Indien, woher aller gute Geschmack kommt, alle alte
Kultur, alle Shawls und Teppiche, Buddha und die weißen Elefanten. Also
antreten, Armgard; du natürlich an den rechten Flügel, denn du bist größer. Und
nun, lieber Stechlin, wie finden Sie uns?«
    »Aber meine Damen...«
    »Keine Feigheiten. Wie finden Sie uns?«
    »Unendlich nett.«
    »Nett? Verzeihen Sie, Stechlin, nett ist kein Wort. Wenigstens kein nettes
Wort. Oder wenigstens ungenügend.«
    »Also schlankweg entzückend.«
    »Das ist gut. Und zur Belohnung die Frage: wer ist entzückender?«
    »Aber Frau Gräfin, das ist ja die reine Geschichte mit dem seligen Paris.
Bloß, er hatte es viel leichter, weil es drei waren. Aber zwei. Und noch dazu
Schwestern.«
    
    »Wer? Wer?«
    »Nun, wenn es denn durchaus sein muss, Sie, gnädigste Frau.«
    »Schändlicher Lügner. Aber wir behalten diese zwei Hüte. Lizzi, gib all das
andre zurück. Und Jeserich soll die Lampen bringen; draußen ein Streifen
Abendrot und hier drinnen ein verglimmendes Feuer - das ist denn doch zuwenig
oder, wenn man will, zu gemütlich.«
    Die Lampen hatten draußen schon gebrannt, so dass sie gleich da waren.
    »Und nun schließen Sie die Balkontür, Jeserich, und sagen Sie's Papa, dass
der Herr Rittmeister gekommen. Papa ist nicht gut bei Wege, wieder die
neuralgischen Schmerzen; aber wenn er hört, dass Sie da sind, so tut er ein
übriges. Sie wissen, Sie sind sein Verzug. Man weiß immer, wenn man Verzug ist.
Ich wenigstens hab es immer gewusst.«
    »Das glaub ich.«
    »Das glaub ich! Wie wollen Sie das erklären?«
    »Einfach genug, gnädigste Gräfin. Jede Sache will gelernt sein. Alles ist
schließlich Erfahrung. Und ich glaube, dass Ihnen reichlich Gelegenheit gegeben
wurde, der Frage Verzug oder Nichtverzug praktisch näherzutreten.«
    »Gut herausgeredet. Aber nun, Armgard, sage dem Herrn von Stechlin (ich
persönlich getraue mich's nicht), dass wir in einer halben Stunde fortmüssen,
Opernhaus, Tristan und Isolde. Was sagen Sie dazu? Nicht zu Tristan und Isolde,
nein, zu der heikleren Frage, dass wir eben gehen, im selben Augenblick, wo Sie
kommen. Denn ich seh es Ihnen an, Sie kamen nicht so bloß um five
