 ihn bei den Barbys. Aber was bedeutet das?«
    »Das bedeutet, dass in einem solchen Hause verkehren und sich mit einer
Tochter verloben so ziemlich ein und dasselbe ist. Bloß eine Frage der Zeit. Und
die Tante wird sich damit aussöhnen müssen, auch wenn sie, wie beinah gewiss,
über ihr Herzblatt bereits anders verfügt haben sollte. Solche Dinge begleichen
sich indessen fast immer. Unser Woldemar wird sich aber mittlerweile vor ganz
andre Schwierigkeiten gestellt sehen.«
    »Und die wären? Ist er nicht vornehm genug? Oder mankiert vielleicht
Gegenliebe?«
    »Nein, Czako, von mankierender Gegenliebe, wie Sie sich auszudrücken
belieben, kann keine Rede sein. Die Schwierigkeiten liegen in was anderm. Es
sind da nämlich, wie ich mir schon anzudeuten erlaubte, zwei Komtessen im Hause.
Nun, die jüngere wird es wohl werden, schon weil sie eben die jüngere ist. Aber
so ganz sicher ist es doch keineswegs. Denn auch die ältere, wiewohl schon über
dreißig, ist sehr reizend und zum Überfluss auch noch Witwe - das heißt
eigentlich nicht Witwe, sondern richtiger eine gleich nach der Ehe geschiedene
Frau. Sie war nur ein halbes Jahr verheiratet oder vielleicht auch nicht
verheiratet.«
    »Verheiratet oder vielleicht auch nicht verheiratet«, wiederholte Czako,
während er unwillkürlich sein Pferd anhielt. »Aber Rex, das ist ja hoch pikant.
Und dass ich erst heute davon höre und noch dazu durch Sie, der Sie sich von
solchen Dingen doch zunächst entsetzt abwenden müssten. Aber so seid ihr
Konventikler. Schließlich ist all dergleichen doch eigentlich euer
Lieblingsfeld. Und nun erzählen Sie weiter, ich bin neugierig wie ein Backfisch.
Wer war denn der unglücklich Glückliche?«
    »Sie meinen, wenn ich Sie recht verstehe, wer es war, der diese ältere
Komtesse heiratete. Nun, dieser glücklich Unglückliche - oder vielleicht auch
umgekehrt - war auch Graf, sogar ein italienischer (vorausgesetzt, dass Sie dies
als eine Steigerung ansehen), und hatte natürlich einen echt italienischen Namen:
Konte Ghiberti, derselbe Name wie der des florentinischen Bildhauers, von dem
die berühmten Türen herrühren.«
    »Welche Türen?«
    »Nun, die berühmten Baptisteriumtüren in Florenz, von denen Michelangelo
gesagt haben soll, sie wären wert, den Eingang zum Paradiese zu bilden. Und
diese Türen heißen denn auch, ihrem großen Künstler zu Ehren, die Ghibertischen
Türen. Übrigens eine Sache, von der ein Mann wie Sie was wissen müsste.«
    »Ja, Rex, Sie haben gut reden von wissen müssen. Sie sind aus einem großen
Hause, haben mutmasslich einen frommen Kandidaten als Lehrer gehabt und sind dann
auf Reisen gegangen, wo man so feine Dinge wegkriegt. Aber ich
