 »Da müssen sie also die
Nacht über schon in Cremmen gewesen sein. Auch kein Spaß.«
    »Aber Cremmen is doch soweit ganz gut.«
    »Nu, gewiss, gewiss. Bloß sie haben da so kurze Betten... Und wenn man, wie
Woldemar, Kavallerist ist, kann man ja doch auch die acht Meilen von Berlin bis
Stechlin in einer Pace machen. Warum also Nachtquartier? Und Rex und von Czako
begleiten mich. Ich kenne Rex nicht und kenne von Czako nicht. Wahrscheinlich
Regimentskameraden. Haben wir denn was?«
    »Ich denk doch, gnäd'ger Herr. Und wovor haben wir denn unsre Mamsell? Die
wird schon was finden.«
    »Nu gut. Also wir haben was. Aber wen laden wir dazu ein? So bloß ich, das
geht nicht. Ich mag mich keinem Menschen mehr vorsetzen. Czako, das ginge
vielleicht noch. Aber Rex, wenn ich ihn auch nicht kenne, zu so was Feinem wie
Rex pass ich nicht mehr; ich bin zu altmodisch geworden. Was meinst du, ob die
Gundermanns wohl können?«
    »Ach, die können schon. Er gewiss, und sie kluckt auch bloß immer so rum.«
    »Also Gundermanns. Gut. Und dann vielleicht Oberförsters. Das älteste Kind
hat freilich die Masern, und die Frau, das heißt die Gemahlin (und Gemahlin is
eigentlich auch noch nicht das rechte Wort), die erwartet wieder. Man weiß nie
recht, wie man mit ihr dran ist und wie man sie nennen soll, Oberförsterin
Katzler oder Durchlaucht. Aber man kann's am Ende versuchen. Und dann unser
Pastor. Der hat doch wenigstens die Bildung. Gundermann allein ist zuwenig und
eigentlich bloß ein Klutentreter. Und seitdem er die Siebenmühlen hat, ist er
noch weniger geworden.«
    Engelke nickte.
    »Na, dann schick also Martin. Aber er soll sich proper machen. Oder
vielleicht ist Brose noch da; der kann ja auf seinem Retourgang bei Gundermanns
mit rangehen. Und soll ihnen sagen sieben Uhr, aber nicht früher; sie sitzen
sonst so lange rum, und man weiß nicht, wovon man reden soll. Das heißt mit ihm;
sie redt immerzu... Und gib Brosen auch 'nen Kornus und funfzig Pfennig.«
    »Ich werd ihm dreißig geben.«
    »Nein, nein, funfzig. Erst hat er ja doch was gebracht, und nu nimmt er
wieder was mit. Das is ja so gut wie doppelt. Also funfzig. Knaps ihm nichts
ab.«
 
                                Zweites Kapitel
Ziemlich um dieselbe Zeit, wo der Telegraphenbote bei Gundermanns vorsprach, um
die Bestellung des alten Herrn von Stechlin auszurichten, ritten Woldemar,
