 das andre spielt bloß
Mauerblümchen. Es wird jedem seine Stelle gegeben. Und so ist es auch mit unserm
Regiment. Wir mögen nicht besser sein als die andern, aber wir sind die ersten,
wir haben die Nummer eins.«
    »Ich kann da beim besten Willen nicht recht mit, Woldemar Was in unsrer
Armee den Ausschlag gibt, ist doch immer die Schneidigkeit.«
    »Liebe Tante, sprich, wovon du willst, nur nicht davon. Das ist ein Wort für
kleine Garnisonen. Wir wissen, was wir zu tun haben. Dienst ist alles, und
Schneidigkeit ist bloß Renommisterei. Und das ist das, was bei uns am
niedrigsten steht.«
    »Gut, Woldemar; was du da zuletzt gesagt hast, das gefällt mir. Und in
diesem Punkte muss ich auch deinen Vater loben. Er hat vieles, was mir nicht
zusagt, aber darin ist er doch ein echter Stechlin. Und du bist auch so. Und das
hab ich immer gefunden, alle, die so sind, die schießen zuletzt doch den Vogel
ab, ganz besonders auch bei den Damen.«
    Dies »bei den Damen« war nicht ohne Absicht gesprochen und schien auf das
bis dahin vorsichtig vermiedene Haupttema hinüberführen zu sollen. Aber ehe die
Tante noch eine direkte Frage stellen konnte, wurde der Rentmeister gemeldet,
der ihr in diesem Augenblicke sehr ungelegen kam. Die Domina wandte sich denn
auch in sichtlicher Verstimmung an Woldemar und sagte: »Soll ich ihn
fortschicken?«
    »Es wird kaum gehen, liebe Tante.«
    »Nun denn.«
    Und gleich danach trat Fix ein.
 
                                Zehntes Kapitel
Während Woldemar und die Domina miteinander plauderten, erst im Tête-à-tête,
dann in Gegenwart von Rentmeister Fix, ritten Rex und Czako (Fritz mit dem
Leinpferd folgend) auf Cremmen zu. Das war noch eine tüchtige Strecke, gute drei
Meilen. Aber trotzdem waren beide Reiter übereingekommen, nichts zu übereilen
und sich's nach Möglichkeit bequem zu machen. »Es ist am Ende gleichgültig, ob
wir um acht oder um neun über den Cremmer Damm reiten. Das bisschen Abendrot, das
da drüben noch hinter dem Kirchturm steht... Fritz, wie heißt er? Welcher
Kirchturm ist es...?« - »Das ist der Wulkowsche, Herr Hauptmann!« - »... Also,
das bisschen Abendrot, das da noch hinter dem Wulkowschen steht, wird ohnehin
nicht lange mehr vorhalten. Dunkel wird's also doch, und von dem
Hohenlohedenkmal, das ich mir übrigens gern einmal näher angesehen hätte (man
muss so was immer auf dem Hinwege mitnehmen), kommt uns bei Tageslicht nichts
mehr vor die Klinge. Das Denkmal
