. Bedenke die weiten Entfernungen. Von unsrer
Kaserne bis zu seiner, oder auch umgekehrt, das ist eine kleine Reise. Dazu
kommt noch, dass wir vor unserm Hallischen Tor eigentlich gar nichts haben, bloß
die Kirchhöfe, das Tempelhofer Feld und das Roterstift.«
    »Aber ihr habt doch die Pferdebahn, wenn ihr irgendwohin wollt. Beinah muss
ich sagen leider. Denn es gibt mir immer einen Stich, wenn ich mal in Berlin
bin, so die Offiziere zu sehen, wie sie da hinten stehen und Platz machen, wenn
eine Madam aufsteigt, manchmal mit 'nem Korb und manchmal auch mit 'ner
Spreewaldsamme. Mir immer ein Horreur.«
    »Ja, die Pferdebahn, liebe Tante, die haben wir freilich, und man kann mit
ihr in einer halben Stunde bis in Czakos Kaserne. Der weite Weg ist es auch
eigentlich nicht, wenigstens nicht allein, weshalb ich Czako so selten sehe. Der
Hauptgrund ist doch wohl der, er passt nicht so ganz zu uns und eigentlich auch
kaum zu seinem Regiment. Er ist ein guter Kerl, aber ein Äquivokenmensch und
erzählt immer Nachmitternachtsgeschichten. Wenn man ihn allein hat, geht es.
Aber hat er ein Publikum, dann kribbelt es ihn ordentlich, und je feiner das
Publikum ist, desto mehr. Er hat mich schon oft in Verlegenheit gebracht. Ich
muss sagen, ich hab ihn sehr gern, aber gesellschaftlich ist ihm Rex doch sehr
überlegen.«
    »Ja, Rex; natürlich. Das hab ich auch gleich bemerkt, ohne mir weiter
Rechenschaft darüber zu gehen. Du wirst es aber wissen, wodurch er ihm überlegen
ist.«
    »Durch vieles. Erstens, wenn man die Familien abwägt. Rex ist mehr als
Czako. Und dann ist Rex Kavallerist.«
    »Aber ich denke, er ist Ministerialassessor.«
    »Ja, das ist er auch. Aber nebenher, oder vielleicht noch darüber hinaus,
ist er Offizier, und sogar in unsrer Dragonerbrigade.«
    »Das freut mich; da ist er ja so gut wie ein Spezialkamerad von dir.«
    »Ich kann das zugeben und doch auch wieder nicht. Denn erstens ist er in der
Reserve, und zweitens steht er bei den zweiten Dragonern.«
    »Macht das 'nen Unterschied?«
    »Gott, Tante, wie man's nehmen will. Ja und nein. Bei Marsla-Tour haben wir
dieselbe Attacke geritten.«
    »Und doch...«
    »Und doch ist da ein gewisses je ne sais quoi.«
    »Sage nichts Französisches. Das verdriesst mich immer. Manche sagen jetzt
auch Englisches, was mir noch weniger gefällt. Aber lassen wir das; ich finde
nur, es wäre
