 ihm
war - alles, was er tat und sagte, war gut -, aber Religion und Landpartie,
dagegen bin ich doch. Ich bin überhaupt gegen alle falschen Mischungen. Auch bei
den Menschen. Die reine Rasse, das ist das eigentlich Legitime. Das andre, was
sie nebenher noch Legitimität nennen, das ist schon alles mehr künstlich. Sage,
wie steht es denn eigentlich damit? Du weißt schon, was ich meine.«
    »Ja, Papa...«
    »Nein, nicht so; nicht immer bloß ja, Papa. So fängst du jedesmal an, wenn
ich auf dies Thema komme. Da liegt schon ein halber Refus drin, oder ein
Hinausschieben, ein Abwartenwollen. Und damit kann ich mich nicht befreunden. Du
bist jetzt zweiunddreissig, oder doch beinah, da muss der mit der Fackel kommen;
aber du fackelst (verzeih den Kalauer; ich bin eigentlich gegen Kalauer, die
sind so mehr für Handlungsreisende), also du fackelst, sag ich, und ist kein
Ernst dahinter. Und soviel kann ich dir außerdem sagen, deine Tante Sanctissima
drüben in Kloster Wutz, die wird auch schon ungeduldig. Und das sollte dir zu
denken geben. Mich hat sie zeitlebens schlecht behandelt; wir stimmten eben nie
zusammen und konnten auch nicht, denn so halb Königin Elisabet, halb
Kaffeeschwester, das is 'ne Melange, mit der ich mich nie habe befreunden
können. Ihr drittes Wort ist immer ihr Rentmeister Fix, und wäre sie nicht
sechsundsiebzig, so erfänd ich mir eine Geschichte dazu.«
    »Mach es gnädig, Papa. Sie meint es ja doch gut. Und mit mir nun schon ganz
gewiss.«
    »Gnädig machen? Ja, Woldemar, ich will es versuchen. Nur fürcht ich, es wird
nicht viel dabei herauskommen. Da heißt es immer, man solle Familiengefühl
haben, aber es wird einem doch auch zu blutsauer gemacht, und ich kann umgekehrt
der Versuchung nicht widerstehen, eine richtige Familienkritik zu üben. Adelheid
fordert sie geradezu heraus. Andrerseits freilich, in dich ist sie wie vernarrt,
für dich hat sie Geld und Liebe. Was davon wichtiger ist, stehe dahin; aber
soviel ist gewiss, ohne sie wär es überhaupt gar nicht gegangen, ich meine dein
Leben in deinem Regiment. Also wir haben ihr zu danken, und weil sie das
geradesogut weiß wie wir, oder vielleicht noch ein bisschen besser, gerade
deshalb wird sie ungeduldig; sie will Taten sehen, was vom Weiberstandpunkt aus
allemal soviel heißt wie Verheiratung. Und wenn man will, kann man es auch so
nennen, ich meine Taten. Es ist und bleibt ein Heroismus. Wer Tante Adelheid
geheiratet hätte, hätte sich die Tapferkeitsmedaille
