. Dieser Gegensatz existiert
natürlich überall und in allen Lebensverhältnissen. Es kommen eben immer Tage,
wo die Leute nach irgendeinem Kronprinzen aussehn. Aber so gewiss das richtig
ist, noch richtiger ist das andre: der Kronprinz, nach dem ausgeschaut wurde,
hält nie das, was man von ihm erwartete. Manchmal kippt er gleich um und erklärt
in plötzlich erwachter Pietät, im Sinne des Hochseligen weiterregieren zu
wollen; in der Regel aber macht er einen leidlich ehrlichen Versuch, als
Neugestalter aufzutreten, und holt ein Volksbeglückungsprogramm auch wirklich
aus der Tasche. Nur nicht auf lange. Leicht beieinander wohnen die Gedanken,
doch eng im Raume stoßen sich die Sachen. Und nach einem halben Jahre lenkt der
Neuerer wieder in alte Bahnen und Geleise ein.«
    »Und so wird es Woldemar auch machen?«
    »So wird es Woldemar auch machen. Wenigstens wird ihn die Lust sehr bald
anwandeln, so halb und halb ins Alte wieder einzulenken.«
    »Und diese Lust werden Sie natürlich bekämpfen. Sie haben ihm in den Kopf
gesetzt, dass etwas durchaus Neues kommen müsse. Sogar ein neues Christentum.«
    »Ich weiß nicht, ob ich so gesprochen habe; aber wenn ich so sprach, dies
neue Christentum ist gerade das alte.«
    »Glauben Sie das?«
    »Ich glaub es. Und was besser ist: ich fühl es.«
    »Nun gut, das mit dem neuen Christentum ist Ihre Sache; da will ich Ihnen
nicht hineinreden. Aber das andre, da müssen Sie mir was versprechen. Besinnt er
sich und kommt er zu der Ansicht, dass das alte Preußen mit König und Armee,
trotz all seiner Gebresten und altmodischen Geschichten, doch immer noch besser
ist als das vom neuesten Datum und dass wir Alten vom Cremmer Damm und von
Fehrbellin her, auch wenn es uns selber schlecht geht, immer noch mehr Herz für
die Torgelowschen im Leibe haben als alle Torgelows zusammengenommen, kommt es
zu solcher Rückbekehrung, dann, Lorenzen, stören Sie diesen Prozess nicht. Sonst
erschein ich Ihnen. Pastoren glauben zwar nicht an Gespenster, aber wenn welche
kommen, graulen sie sich auch.«
    Lorenzen legte seine Hand auf die Hand Dubslavs und streichelte sie, wie
wenn er des Alten Sohn gewesen wäre. »Das alles, Herr von Stechlin, kann ich
Ihnen gern versprechen. Ich habe Woldemar erzogen, als es mir oblag, und Sie
haben in Ihrer Klugheit und Güte mich gewähren lassen. Jetzt ist Ihr Sohn ein
vornehmer Herr und hat die Jahre. Sprechen hat seine Zeit, und Schweigen hat
seine Zeit. Aber wenn Sie ihn und mich von oben her unter Kontrolle nehmen und
eventuell mir erscheinen wollen, so schieben Sie mir dabei nicht zu,
