Will dir's glauben. Und du sollst sehen, heute haben wir 'nen guten Tag, und
es kommt auch noch wer, an dem man sich freuen kann. Wie mir schlecht war, da
kam Koseleger und die Prinzessin. Aber heute kam ein Buchfink. Und ich bin ganz
sicher, der hat noch ein Gefolge.«
Dubslavs Ahnungen behielten recht; und als der Nachmittag da war, kam Lorenzen,
der sich, seitdem der Alte seinen Katzenpfötchentee trank, nur selten und immer
bloß flüchtig hatte sehen lassen. Aber das war rein zufällig und sollte nicht
eine Missbilligung darüber ausdrücken, dass sich der Alte bei der Buschen in die
Kur gegeben.
    »Nun endlich«, empfing ihn Dubslav, als Lorenzen eintrat. »Wo bleiben Sie?
Da heißt es immer, wir Junker wären kleine Könige. Ja, wer's glaubt! Alle
kleinen Könige haben ein Kortège, das sich in Huldigungen und Purzelbäumen
überschlägt. Aber von solchem Gefolge habe ich noch nicht viel gesehen. Baruch
ist freilich hiergewesen und dann Koseleger und dann die Prinzessin, aber der,
der so halb ex officio kommen sollte, der kommt nicht und schickt höchstens mal
die Kulicke oder die Elfriede mit 'ner Anfrage. Sterben und verderben kann man.
Und das heißt dann Seelsorge.«
    Lorenzen lächelte. »Herr von Stechlin, Ihre Seele macht mir, trotz dieser
meiner Vernachlässigung, keine Sorge, denn sie zählt zu denen, die jeder
Spezialempfehlung entbehren können. Lassen Sie mich sehr menschlich, ja für
einen Pfarrer beinah lästerlich sprechen. Aber ich muss es. Ich lebe nämlich der
Überzeugung, der liebe Gott, wenn es mal soweit ist, freut sich, Sie
wiederzusehen. Ich sage, wenn es soweit ist. Aber es ist noch nicht soweit.«
    »Ich weiß nicht, Lorenzen, ob Sie recht haben. Jedenfalls aber befind ich
mich in meinem derzeitig erträglichen Zustande nur mit Hilfe der Buschen, und ob
mich das nach obenhin besonders empfehlen kann, ist mir zweifelhaft. Aber lassen
wir die heikle Frage. Erzählen Sie mir lieber etwas recht Hübsches und Heiteres,
auch wenn es nebenher etwas ganz Altes ist, etwa das, was man früher Miszellen
nannte. Das ist mir immer das liebste gewesen und ist es noch. Was ich da so in
den Zeitungen lese, voran das Politische, das weiß ich schon immer alles, und
was ich von Engelke höre, das weiß ich auch. Beiläufig - natürlich nur vom
alleregoistischsten Zeitungsleserstandpunkt aus - ein wahres Glück, dass es
Unglücksfälle gibt, sonst hätte man von der Zeitungslektüre so gut wie gar
nichts. Aber Sie, Sie lesen auch sonst noch allerlei, mitunter sogar Gutes
(freilich nur selten), und
