 letztere gelten lassen, und nur was das Kandidieren
meines Vaters angeht - ich denke mir, es ist noch nicht soweit, vieles kann noch
dazwischenkommen, und jedenfalls wird er schwanken. Aber nehmen wir mal an, es
sei, wie Sie vermuten. In diesem Falle träfe doch gerade das zu, was ich mir
soeben zu sagen erlaubt habe. Mein Vater ist in jedem Anbetracht ein treuer
Gesinnungsgenosse Kortschädels, und wenn er an seine Stelle tritt, was ist da
verloren? Die Lage bleibt dieselbe.«
    »Nein, Herr von Stechlin.«
    »Nun, was ändert sich?«
    »Vieles, alles. Kortschädel war in den großen Fragen unerbittlich, und Ihr
Herr Vater lässt mit sich reden ...«
    »Ich weiß nicht, ob Sie da recht haben. Aber wenn es so wäre, so wäre das
doch ein Glück...«
    »Ein Unglück, Herr von Stechlin. Wer mit sich reden lässt, ist nicht stramm,
und wer nicht stramm ist, ist schwach. Und Schwäche (die destruktiven Elemente
haben dafür eine feine Fühlung), Schwäche ist immer Wasser auf die Mühlen der
Sozialdemokratie.«
    Die vier andern der kleinen Tafelrunde waren im Gartensalon zurückgeblieben,
hatten sich aber auch zu zwei und zwei zusammengetan. In der einen
Fensternische, so dass sie den Blick auf den mondbeschienenen Vorplatz und die
draußen auf der Veranda auf und ab schreitenden beiden Herren hatten, saßen
Lorenzen und Frau von Gundermann. Die Gundermann war glücklich über das
Tête-à-tête, denn sie hatte wegen ihres jüngsten Sohnes allerhand Fragen auf dem
Herzen oder bildete sich wenigstens ein, sie zu haben. Denn eigentlich hatte sie
für gar nichts Interesse, sie musste bloß, richtige Berlinerin, die sie war,
reden können.
    »Ich bin so froh, Herr Pastor, dass ich nun doch einmal Gelegenheit finde.
Gott, wer Kinder hat, der hat auch immer Sorgen. Ich möchte wegen meines
Jüngsten so gerne mal mit Ihnen sprechen, wegen meines Arthur. Rudolf hat mir
keine Sorgen gemacht, aber Arthur. Er ist nun jetzt eingesegnet, und Sie haben
ihm, Herr Prediger, den schönen Spruch mitgegeben, und der Junge hat auch gleich
den Spruch auf einen großen weißen Bogen geschrieben, alle Buchstaben erst mit
zwei Linien nebeneinander und dann dick ausgetuscht. Es sieht aus wie 'n Plakat.
Und diesen großen Bogen hat er sich in die Waschtoilette geklebt, und da mahnt
es ihn immer.«
    »Nun, Frau von Gundermann, dagegen ist doch nichts zu sagen.«
    »Nein, das will ich auch nicht. Eher das Gegenteil. Es hat ja doch was
Rührendes, dass es einer so ernst nimmt. Denn er
