, das ist das
Große. Kirchlich mag es ja falsch sein, was ich da so sage; aber was sie jetzt
sittlich nennen (und manche sagen auch schönheitlich, aber das is ein zu dolles
Wort), also was sie jetzt sittlich nennen, so bloß auf das hin angesehen, da is
das persönliche Sicheinsetzen und Für-was-sterben-Können und -Wollen doch das
Höchste. Mehr kann der Mensch nich. Aber Koseleger. Der will leben.«
    Und während er noch so vor sich hin seinen Faden spann, war sein gutes altes
Faktotum eingetreten, an das er denn auch ohne weiteres und bloß zu eigenem
Ergötzen die Frage richtete: »Nich wahr, Engelke?«
    Der aber hörte gar nichts mehr, so sehr war er in Verwirrung, und stotterte
nur aus sich heraus: »Ach Gott, gnäd'ger Herr, nu is es doch so gekommen.«
    »Wie? Was?«
    »Die Frau Gemahlin von unserm Herrn Oberförster...«
    »Was? Die Prinzessin?«
    »Ja, die Frau Katzler, Durchlaucht.«
    »Alle Wetter, Engelke ... Da haben wir's. Aber ich hab es ja gesagt, ich
wußt es. Wie so 'n Tag anfängt, so bleibt er, so geht es weiter... Und wie das
hier durcheinanderliegt, alles wie Kraut und Rüben. Nimm die Zudecke weg, ach
was Zudecke, die reine Pferdedecke; wir müssen eine andre haben. Und nimm auch
die grünen Tropfen weg, dass es nicht gleich aussieht wie 'ne Krankenstube ...
Die Prinzessin ... Aber rasch, Engelke, flink ... Ich lasse bitten, ich lasse
die Frau Oberförsterin bitten.«
    Dubslav rückte sich, so gut es ging, zurecht; im übrigen aber hielt er's in
seinem desolaten Zustande doch für besser, in seinem Rollstuhl zu bleiben, als
der Prinzessin entgegenzugehn oder sie durch ein Sicherheben von seinem Sitz
mehr oder weniger feierlich zu begrüßen. Ermyntrud passte sich seinen Intentionen
denn auch an und gab durch eine gemessene Handbewegung zu verstehen, dass sie
nicht zu stören wünsche. Gleich danach legte sie den rechten Arm auf die Lehne
eines nebenstehenden Stuhles und sagte: »Ich komme, Herr von Stechlin, um nach
Ihrem Befinden zu fragen; Katzler« (sie nannte ihn, unter geflissentlichster
Vermeidung des allerdings plebejen »mein Mann«, immer nur bei seinem
Familiennamen) »hat mir von Ihrem Unwohlsein erzählt und mir Empfehlungen
aufgetragen. Ich hoffe, es geht besser.«
    Dubslav dankte für soviel Freundlichkeit und bat, das um ihn her herrschende
Übermaß von Unordnung entschuldigen zu wollen. »Wo die weibliche Hand fehlt
