 sicher. Und dieser Moscheles soll sehr gescheit sein. Die Wiener
und Prager verstehen es; namentlich alles, was nach der Seite hin liegt.«
    »Ja«, sagte Dubslav, »nach der Seite hin«, und wies auf Brust und Herz.
»Aber, offen gestanden, nach mancher andern Seite hin ist mir dieser Moscheles
nicht sehr sympathisch. Er fasst seinen Stock so sonderbar an und schlenkert auch
so.«
    »Ja, so was muss man unter Umständen mit in den Kauf nehmen. Und dann heißt
es ja auch, der Major von Stechlin habe mehr oder weniger einen philosemitischen
Zug.«
    »Den hat der Major von Stechlin auch wirklich, weil er Unchristlichkeiten
nicht leiden kann und Prinzipienreitereien erst recht nicht. Ich gehöre zu
denen, die sich immer den Einzelfall ansehen. Aber freilich, mancher Einzelfall
gefällt mir nicht. So zum Beispiel der hier mit dem neuen Doktor. Und auch mein
alter Baruch Hirschfeld, den der Herr Superintendent mutmasslich kennen werden,
auch der gefällt mir nicht mehr so recht. Ich hielt große Stücke von ihm, aber -
vielleicht dass sein Sohn Isidor schuld ist - mit einem Mal ist der Pferdefuss
rausgekommen.«
    »Ja«, lachte Koseleger, »der kommt immer mal raus. Und nicht bloß bei
Baruch. Ich muss aber sagen, das alles hat mit der Rasse viel, viel weniger zu
schaffen als mit dem jeweiligen Beruf. Da war ich eben bei der Frau von
Gundermann...«
    »Und da war auch so was?«
    »In gewissem Sinne, ja. Natürlich ein bisschen anders, weil es sich um etwas
Weibliches handelte. Stütze der Hausfrau. Und da bändelt sich denn leicht was
an. Eben diese Stütze der Hausfrau war bis vor kurzem noch Erzieherin, und mit
Erzieherinnen, alten und jungen, hat's immer einen Haken, wie mit den Lehrern
überhaupt. Es liegt im Beruf. Und der Seminarist steht obenan.«
    »Ich kann mich nicht erinnern«, sagte Dubslav, »in unserer Gegend irgendwas
gröblich Verletzliches erlebt zu haben.«
    »Oh, ich bin missverstanden«, beschwichtigte Koseleger und rieb sich mit
einem gewissen Behagen seine wohlgepflegten Hände. »Nichts von Vergehungen auf
erotischem Gebiet, wiewohl es bei den Gundermanns (die gerad in diesem Punkte
viel heimgesucht werden) auch diesmal wieder, ich möchte sagen, diese kleine
Nebenform angenommen hatte. Nein, der große Seminaristenpferdefuss, an den ich
bei meiner ersten Bemerkung dachte, trägt ganz andere Signaturen:
Unbotmässigkeit, Überschätzung und infolge davon ein eigentümliches Bestreben,
sich von den Heilsgütern loszulösen und die Befriedigung des inneren Menschen in
einer falschen Wissenschaftlichkeit zu suchen.«
    »Ich will das nicht loben; aber
