 stiegen die
seligen Quitzows wieder aus dem Grabe herauf. Und wenn das geschieht, wenn unsre
Leute sich auf das besinnen, worauf sie sich seit über vierhundert Jahren nicht
mehr besonnen haben, so können wir was erleben. Es heißt immer: Unmöglich. Ah
bah, was ist unmöglich? Nichts ist unmöglich. Wer hätte vor dem 18. März den 18.
März für möglich gehalten, für möglich in diesem echten und rechten
Philisternest Berlin! Es kommt eben alles mal an die Reihe; das darf nicht
vergessen werden. Und die Armee! Nun ja. Wer wird etwas gegen die Armee sagen?
Aber jeder glückliche General ist immer eine Gefahr! Und unter Umständen auch
noch andre. Sehen Sie sich den alten Sachsenwalder an, unsren Zivil-Wallenstein.
Aus dem hätte schließlich doch Gott weiß was werden können.«
    »Und Sie glauben«, warf der Graf hier ein, »an dieser scharfen Quitzow-Ecke
wäre Kaiser Friedrich gescheitert?«
    »Ich glaub es.«
    »Hm, es lässt sich hören. Und wenn so, so wär es schließlich ein Glück, dass
es nach den neunundneunzig Tagen anders kam und wir nicht vor diese Frage
gestellt wurden.«
    »Ich habe mit meinem Woldemar, der einen stark liberalen Zug hat (ich kann
es nicht loben und mag's nicht tadeln), oft über diese Sache gesprochen. Er war
natürlich für Neuzeit, also für Experimente... Nun hat er inzwischen das bessere
Teil erwählt, und während wir hier sprechen, ist er schon über Trebbin hinaus.
Sonderbar, ich bin nicht allzuviel gereist, aber immer, wenn ich an diesem
märkischen Neste vorbeikam, hatt ich das Gefühl: Jetzt wird es besser, jetzt
bist du frei. Ich kann sagen, ich liebe die ganze Sandbüchse da herum, schon
bloß aus diesem Grunde.«
    Der alte Graf lachte behaglich. »Und Trebbin wird sich von dieser Ihrer
Schwärmerei nichts träumen lassen. Übrigens haben Sie recht. Jeder lebt zu Hause
mehr oder weniger wie in einem Gefängnis und will weg. Und doch bin ich
eigentlich gegen das Reisen überhaupt und speziell gegen die Hochzeitsreiserei.
Wenn ich so Personen in ein Koupé nach Italien einsteigen sehe, kommt mir immer
ein Dankgefühl, dieses höchste Glück auf Erden nicht mehr mitmachen zu müssen.
Es ist doch eigentlich eine Qual, und die Welt wird auch wieder davon
zurückkommen; über kurz oder lang wird man nur noch reisen, wie man in den Krieg
zieht oder in einen Luftballon steigt, bloß von Berufs wegen. Aber nicht um des
Vergnügens willen. Und wozu denn auch? Es hat keinen rechten Zweck mehr. In
alten Zeiten ging der Prophet zum Berge, jetzt vollzieht sich das
