 wird auch in unsern Reihen allmählich der Glaube lebendig, dass
wir uns dabei - besonders auch rein praktisch-egoistisch - am besten stehen.«
    Der alte Barby freute sich sichtlich dieser Worte. Dubslav aber fuhr fort:
»Übrigens, das muss ich sagen dürfen, lieber Graf, Sie wohnen hier brillant an
Ihrem Kronprinzenufer; ein entzückender Blick, und Fremde würden vielleicht kaum
glauben, dass an unsrer alten Spree so was Hübsches zu finden sei. Die
Niederlassungs- und speziell die Wohnungsfrage spielt doch, wo sich's um Glück
und Behagen handelt, immer stark mit, und gerade Sie, der Sie so lange draußen
waren, werden, ehe Sie hier dies Visavis von unsrer Jungfernheide wählten, nicht
ohne Bedenken gewesen sein. In bezug auf die Landschaft gewiss und in bezug auf
die Menschen vielleicht.«
    »Sagen wir, auch da gewiss. Ich hatte wirklich solche Bedenken. Aber sie sind
niedergekämpft. Vieles gefiel mir durchaus nicht, als ich, nach langen, langen
Jahren, aus der Fremde wieder nach hier zurückkam, und vieles gefällt mir auch
noch nicht. Überall ein zu langsames Tempo. Wir haben in jedem Sinne zuviel Sand
um uns und in uns, und wo viel Sand ist, da will nichts recht vorwärts, immer
bloß hü und hott. Aber dieser Sandboden ist doch auch wieder tragfähig, nicht
glänzend, aber sicher. Er muss nur, und vor allem der moralische, die richtige
Witterung haben, also zu rechter Zeit Regen und Sonnenschein. Und ich glaube,
Kaiser Friedrich hätt ihm diese Witterung gebracht.«
    »Ich glaub es nicht«, sagte Dubslav.
    »Meinen Sie, dass es ihm schließlich doch nicht ein rechter Ernst mit der
Sache war?«
    »O nein, nein. Es war ihm Ernst, ganz und gar. Aber es würd ihm zu schwer
gemacht worden sein. Rundheraus, er wäre gescheitert.«
    »Woran?«
    »An seinen Freunden vielleicht, an seinen Feinden gewiss. Und das waren die
Junker. Es heißt immer, das Junkertum sei keine Macht mehr, die Junker frässen
den Hohenzollern aus der Hand und die Dynastie züchte sie bloß, um sie für alle
Fälle parat zu haben. Und das ist eine Zeitlang vielleicht auch richtig gewesen.
Aber heut ist es nicht mehr richtig, es ist heute grundfalsch. Das Junkertum
(trotzdem es vorgibt, seine Strohdächer zu flicken, und sie gelegentlich
vielleicht auch wirklich flickt), dies Junkertum - und ich bin inmitten aller
Loyalität und Devotion doch stolz, dies sagen zu können - hat in dem Kampf
dieser Jahre kolossal an Macht gewonnen, mehr als irgendeine andre Partei, die
Sozialdemokratie kaum ausgeschlossen, und mitunter ist mir's, als
