 und
nach einer guten Firma fragen konnte. Waren Sie siebzig noch mit dabei?«
    »Ja, so halb. Eigentlich auch das kaum. Aus meinem Regiment war ich lange
heraus. Nur als Johanniter.«
    »Ganz wie ich selber.«
    »Eine wundervolle Zeit, dieser Winter siebzig«, fuhr Dubslav fort, »auch
rein persönlich angesehen. Ich hatte damals das, was mir zeitlebens, wenn auch
nicht absolut, so doch mehr als wünschenswert gefehlt hatte: Fühlung mit der
großen Welt. Es heißt immer, der Adel gehöre auf seine Scholle und je mehr er
mit der verwachse, desto besser sei es. Das ist auch richtig. Aber etwas ganz
Richtiges gibt es nicht. Und so muss ich denn sagen, es war doch was
Erquickliches, den alten Wilhelm so jeden Tag vor Augen zu haben. Hab ihn
freilich immer nur flüchtig gesehen, aber auch das war schon eine Herzensfreude.
Sie nennen ihn jetzt den Großen und stellen ihn neben Fridericus Rex. Nun, so
einer war er sicherlich nicht, an den reicht er nicht ran. Aber als Mensch war
er ihm über, und das gibt, mein ich, in gewissem Sinne den Ausschlag, wenn auch
zur Größe noch was anders gehört. Ja, der Alte Fritz! Man kann ihn nicht hoch
genug stellen; nur in einem Punkte find ich trotzdem, dass wir eine falsche
Position ihm gegenüber einnehmen, gerade wir vom Adel. Er war nicht so sehr für
uns, wie wir immer glauben oder wenigstens nach außen hin versichern. Er war für
sich und für das Land oder, wie er zu sagen liebte, für den Staat. Aber dass wir
als Stand und Kaste so recht was von ihm gehabt hätten, das ist eine
Einbildung.«
    »Überrascht mich, aus Ihrem Munde zu hören.«
    »Ist aber doch wohl richtig. Wie lag es denn eigentlich? Wir hatten die
Ehre, für König und Vaterland hungern und dursten und sterben zu dürfen, sind
aber nie gefragt worden, ob uns das auch passe. Nur dann und wann erfuhren wir,
dass wir Edelleute seien und als solche mehr Ehre hätten. Aber damit war es auch
getan. In seiner innersten Seele rief er uns eigentlich genau dasselbe zu wie
den Grenadieren bei Torgau. Wir waren Rohmaterial und wurden von ihm mit meist
sehr kritischem Auge betrachtet. Alles in allem, lieber Graf, find ich unser
Jahr dreizehn eigentlich um ein Erhebliches größer, weil alles, was geschah,
weniger den Befehlscharakter trug und mehr Freiheit und Selbstentschliessung
hatte. Ich bin nicht für die patentierte Freiheit der Parteiliberalen, aber ich
bin doch für ein bestimmtes Maß von Freiheit überhaupt. Und wenn mich nicht
alles täuscht, so
