 dass Sie das herausgefühlt haben. Es ist so. Wir kommen
da eben von Ihrem Stechlin her, von Ihrem See, dem Besten, was Sie hier haben.
Ich habe mich dagegen gewehrt, als das Eis aufgeschlagen werden sollte, denn
alles Eingreifen oder auch nur Einblicken in das, was sich verbirgt, erschreckt
mich. Ich respektiere das Gegebene. Daneben aber freilich auch das Werdende,
denn eben dies Werdende wird über kurz oder lang abermals ein Gegebenes sein.
Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue
sollen wir recht eigentlich leben. Und vor allem sollen wir, wie der Stechlin
uns lehrt, den großen Zusammenhang der Dinge nie vergessen. Sich abschließen
heißt sich einmauern, und sich einmauern ist Tod. Es kommt darauf an, dass wir
gerade das beständig gegenwärtig haben. Mein Vertrauen zu meinem Schwager ist
unbegrenzt. Er hat einen edelen Charakter, aber ich weiß nicht, ob er auch einen
festen Charakter hat. Er ist feinen Sinnes, und wer fein ist, ist oft
bestimmbar. Er ist auch nicht geistig bedeutend genug, um sich gegen abweichende
Meinungen, gegen Irrtümer und Standesvorurteile wehren zu können. Er bedarf der
Stütze. Diese Stütze sind Sie meinem Schwager Woldemar von Jugend auf gewesen.
Und um was ich jetzt bitte, das heißt: Seien Sie's ferner.«
    »Dass ich Ihnen sagen könnte, wie freudig ich in Ihren Dienst trete,
gnädigste Gräfin. Und ich kann es um so leichter, als Ihre Ideale, wie Sie
wissen, auch die meinigen sind. Ich lebe darin und empfind es als eine Gnade,
da, wo das Alte versagt, ganz in einem Neuen aufzugehn. Um ein solches Neues
handelt es sich. Ob ein solches Neues sein soll (weil es sein muss) oder ob es
nicht sein soll, um diese Frage dreht sich alles. Es gibt hier um uns her eine
große Zahl vorzüglicher Leute, die ganz ernstaft glauben, das uns Überlieferte
- das Kirchliche voran (leider nicht das Christliche) - müsse verteidigt werden
wie der Salomonische Tempel. In unserer Obersphäre herrscht außerdem eine naive
Neigung, alles Preussische für eine höhere Kulturform zu halten.«
    »Genau wie Sie sagen. Aber ich möchte doch, um der Gerechtigkeit willen, die
Frage stellen dürfen, ob dieser naive Glaube nicht eine gewisse Berechtigung
hat.«
    »Er hatte sie mal. Aber das liegt zurück. Und kann nicht anders sein. Der
Hauptgegensatz alles Modernen gegen das Alte besteht darin, dass die Menschen
nicht mehr durch ihre Geburt auf den von ihnen einzunehmenden Platz gestellt
werden. Sie haben jetzt die Freiheit, ihre Fähigkeiten nach allen Seiten hin und
auf jedem Gebiete zu betätigen
