 immer die Hauptsache. Für
Sie gewiss.«
    »Ja, Rex, das für Sie gewiss, das sagen Sie so spöttisch und überheblich,
weil Sie glauben, Klatschen sei was Inferiores und für mich gerade gut genug.
Aber da machen Sie meiner Meinung nach einen doppelten Fehler. Denn erstlich ist
Klatschen überhaupt nicht inferior, und zweitens klatschen Sie geradeso gern wie
ich und vielleicht noch ein bisschen lieber. Sie bleiben nur immer etwas steifer
dabei, lehnen meine Frivolitäten zunächst ab, warten aber eigentlich darauf. Im
übrigen denk ich, wir lassen all das auf sich beruhn und sprechen lieber von der
Hauptsache. Ich finde, wir können unserm Freunde Stechlin nicht dankbar genug
dafür sein, uns mit einem so liebenswürdigen Hause bekannt gemacht zu haben. Den
Wrschowitz und den alten Malerprofessor, der von dem Engel des Gerichts nicht
loskonnte - nun die beiden schenk ich Ihnen (ich denke mir, der Maler wird wohl
nach Ihrem Geschmacke sein), aber die andern, die man da trifft, wie reizend
alle, wie natürlich. Obenan dieser Frommel, dieser Hofprediger, der mir am
Teetisch fast noch besser gefällt als auf der Kanzel. Und dann diese bayrische
Baronin. Es ist doch merkwürdig, dass die Süddeutschen uns im Gesellschaftlichen
immer um einen guten Schritt vorauf sind, nicht von Bildungs, aber von
glücklicher Natur wegen. Und diese glückliche Natur, das ist doch die wahre
Bildung.«
    »Ach, Czako, Sie überschätzen das. Es ist ja richtig, wenn sie da so die
Würstel aus dem großen Kessel herausholen und irgendeine Loni oder Toni mit dem
Masskrug kommt, so sieht das nach was aus, und wir kommen uns wie verhungerte
Schulmeister daneben vor. Aber eigentlich ist das, was wir haben, doch das
Höhere.«
    »Gott bewahre. Alles, was mit Grammatik und Examen zusammenhängt, ist nie
das Höhere. Waren die Patriarchen examiniert oder Moses oder Christus? Die
Pharisäer waren examiniert. Und da sehen Sie, was dabei herauskommt. Aber, um
mehr in der Nähe zu bleiben, nehmen Sie den alten Grafen. Er war freilich
Botschaftsrat, und das klingt ein bisschen nach was; aber eigentlich ist er doch
auch bloß ein unexaminierter Naturmensch, und das gerade gibt ihm seinen Charme.
Beiläufig, finden Sie nicht auch, dass er dem alten Stechlin ähnlich sieht?«
    »Ja, äußerlich.«
    »Auch innerlich. Natürlich 'ne andre Nummer, aber doch derselbe Zwirn -
Pardon für den etwas abgehaspelten Berolinismus. Und wenn Sie vielleicht an
Politik gedacht haben, auch da ist wenig Unterschied. Der alte Graf ist lange
nicht so liberal und der alte Dubslav lange nicht so junkerlich, wie's aussieht.
Dieser Barby, dessen
