
rum standen lauter Assessoren und Referendare, ganz junge Herren, die meisten
mit 'nem Kneifer. Kneifer gab es damals auch schon. Und nun kam die Witwe, wenn
man sie so nennen darf, und sah soweit ganz behäbig und beinahe füllig aus, weil
sie, was damals viel besprochen wurde, 'nen Kropf hatte, weshalb auch der Block
ganz besonders hatte hergerichtet werden müssen. Sozusagen mit 'nem Ausschnitt.«
    »Mit 'nem Ausschnitt ...; gut, Gundermann.«
    »Und als sie nun, ich meine die Delinquentin, all die jungen Referendare
sah, wobei ihr wohl ihr Lehrling einfallen mochte...«
    »Keine Verspottung unsrer Referendare...«
    »... Wobei ihr vielleicht ihr Lehrling einfallen mochte, da trat sie ganz
nahe an den Schafottrand heran und nickte uns zu (ich sage uns, weil sie mich
auch ansah) und sagte: Ja, ja, meine jungen Herrens, dat kommt davon ... Und
sehen Sie, meine Herren, dieses Wort, wenn auch von einer Delinquentin
herrührend, bin ich seitdem nicht wieder losgeworden, und wenn ich so was erlebe
wie heute, dann muss einem solch Wort auch immer wieder in Erinnerung kommen, und
ich sage dann auch, ganz wie die Alte damals sagte: Ja, meine Herren, dat kommt
davon. Und wovon kommt es? Von den Sozialdemokraten. Und wovon kommen die
Sozialdemokraten?«
    »Vom Fortschritt. Alte Geschichte, kennen wir. Was Neues!«
    »Es gibt da nichts Neues. Ich kann nur bestätigen, vom Fortschritt kommt es.
Und wovon kommt der? Davon, dass wir die Abstimmungsmaschine haben und das große
Haus mit den vier Ecktürmen. Und wenn es meinetwegen ohne das große Haus nicht
geht, weil das Geld für den Staat am Ende bewilligt werden muss - und ohne Geld,
meine Herren, geht es nicht« (Zustimmung: »Ohne Geld hört die Gemütlichkeit
auf«) -, »nun denn, wenn es also sein muss, was ich zugebe, was sollen wir, auch
unter derlei gern gemachten Zugeständnissen, anfangen mit einem Wahlrecht, wo
Herr von Stechlin gewählt werden soll und wo sein Kutscher Martin, der ihn zur
Wahl gefahren, tatsächlich gewählt wird oder wenigstens gewählt werden kann. Und
der Kutscher Martin unsers Herrn von Stechlin ist mir immer noch lieber als
dieser Torgelow. Und all das nennt sich Freiheit. Ich nenn es Unsinn, und viele
tun desgleichen. Ich denke mir aber, gerade diese Wahl, in einem Kreise, drin
das alte Preußen noch lebt, gerade diese Wahl wird dazu beitragen, die Augen
oben helle zu machen. Ich sage nicht, welche Augen.
