 er würde nicht zur Wahl kommen. Aber Ermyntrud mit ihrer grandiosen
Pflichtvorstellung wird ihn wohl wieder fortgeschickt haben.«
    »Ist es wieder ein Mädchen?« fragte Lorenzen.
    »Natürlich, und zwar das siebente. Bei sieben (freilich müssen es Jungens
sein) darf man, glaub ich, den Kaiser zu Gevatter laden. Übrigens sind mehrere
bereits tot, und alles in allem ist es wohl möglich, dass sich Ermyntrud über das
beständige bloß Mädchen allerlei Sorgen und Gedanken macht.«
    Lorenzen nickte. »Kann mir's denken, dass die Prinzessin etwas wie eine zu
leistende Sühne darin sieht, Sühne wegen des von ihr getanen Schrittes. Alles an
ihr ist ein wenig überspannt. Und doch ist es eine sehr liebenswürdige Dame.«
    »Wovon niemand überzeugter ist als ich«, sagte Dubslav. »Freilich bin ich
bestochen, denn sie sagt mir immer das Schmeichelhafteste. Sie plaudre so gern
mit mir, was auch am Ende wohl zutrifft. Und dabei wird sie dann jedesmal ganz
ausgelassen, trotzdem sie eigentlich hochgradig sentimental ist. Sentimental,
was nicht überraschen darf; denn aus Sentimentalität ist doch schließlich die
ganze Katzlerei hervorgegangen. Bin übrigens ernstlich in Sorge, wo Hoheit den
richtigen Taufnamen für das Jüngstgeborene hernehmen wird. In diesem Stücke,
vielleicht dem einzigen, ist sie nämlich noch ganz und gar Prinzessin geblieben.
Und Sie, lieber Lorenzen, werden dabei sicherlich mit zu Rate gezogen werden.«
    »Was ich mir nicht schwierig denken kann.«
    »Sagen Sie das nicht. Es gibt in diesem Falle viel weniger Brauchbares, als
Sie sich vorzustellen scheinen. Prinzessinnennamen an und für sich, ohne weitere
Zutat, ja, die gibt es genug. Aber damit ist Ermyntrud nicht zufrieden; sie
verlangt ihrer Natur nach zu dem Dynastisch-Genealogischen auch noch etwas
poetisch Märchenhaftes. Und das kompliziert die Sache ganz erheblich. Sie können
das sehen, wenn Sie die Katzlersche Kinderstube durchmustern oder sich die Namen
der bisher Getauften ins Gedächtnis zurückrufen. Die Katzlersche Kronprinzess
heißt natürlich auch Ermyntrud. Und dann kommen ebenso selbstverständlich Dagmar
und Tyra. Und danach begegnen wir einer Inez und einer Maud und zuletzt einer
Arabella. Aber bei Arabella können Sie schon deutlich eine gewisse Verlegenheit
wahrnehmen. Ich würde ihr, wenn sie sich wegen des Jüngstgeborenen an mich
wendete, was Altjüdisches vorschlagen; das ist schließlich immer das Beste. Was
meinen Sie zu Rebekka?«
    Lorenzen kam nicht mehr dazu, Dubslav diese Frage zu beantworten, denn eben
jetzt waren sie durch das Stück Bruchland hindurch und rasselten bereits über
einen ein weiteres Gespräch unmöglich machenden Steindamm weg, scharf auf
Rheinsberg zu.
Dubslav war in ausgezeichneter Laune. Das prachtvolle Herbstwetter, dazu das
bunte Leben, alles hatte seine Stimmung gehoben
