 ich so empört bin und nicht anders kann.«
    Der alte Graf sah die Tochter an, und ein Freudenstrahl umleuchtete sein
gutes altes Gesicht. Auch Wrschowitz empfand so was von unbedingter Huldigung,
bezwang sich aber und sah, statt auf Armgard, auf das Bild der Gräfinmutter, das
von der Wand niederblickte.
    Nur Woldemar blieb ruhig und sagte: »Komtesse, Sie gehen vielleicht zu weit.
Wissen Sie, was in der Seele des Prinzen vorgegangen ist? Es kann etwas
Infernales gewesen sein, aber auch etwas ganz andres. Wir wissen es nicht. Und
weil er nebenher unbedingt große Züge hatte, so bin ich dafür, ihm das in
Rechnung zu stellen.«
    »Bravo, Stechlin«, sagte der alte Graf. »Ich war erst Armgards Meinung. Aber
Sie haben recht, wir wissen es nicht. Und soviel weiß ich noch von der
Juristerei her, in der ich, wohl oder übel, eine Gastrolle gab, dass man in
zweifelhaften Fällen in favorem entscheiden muss. Übrigens geht eben die Klingel.
An bester Stelle wird ein Gespräch immer unterbrochen. Es wird Melusine sein.
Und sosehr ich gewünscht hätte, sie wäre von Anfang an mit dabeigewesen, wenn
sie jetzt so mit einem Male dazwischenfährt, ist selbst Melusine eine Störung.«
    Es war wirklich Melusine. Sie trat, ohne draußen abgelegt zu haben, ins
Zimmer, warf das schottische Kape, das sie trug, in eine Sofaecke und schritt,
während sie noch den Hut aus dem Haare nestelte, bis an den Tisch, um hier
zunächst den Vater, dann aber die beiden andern Herren zu begrüßen. »Ich seh
euch so verlegen, woraus ich schließe, dass eben etwas Gefährliches gesagt worden
ist. Also etwas über mich.«
    »Aber, Melusine, wie eitel.«
    »Nun, dann also nicht über mich. Aber über wen? Das wenigstens will ich
wissen. Von wem war die Rede?«
    »Vom Prinzen Heinrich. Aber von dem ganz alten, der schon fast hundert Jahre
tot ist.«
    »Da konntet ihr auch was Besseres tun.«
    »Wenn du wüsstest, was uns Stechlin von ihm erzählt hat und dass er - nicht
Stechlin, aber der Prinz - ein Misogyne war, so würdest du vielleicht anders
sprechen.«
    »Misogyne. Das freilich ändert die Sache. Ja, lieber Stechlin, da kann ich
Ihnen nicht helfen, davon muss ich auch noch hören. Und wenn Sie mir's
abschlagen, so wenigstens was Gleichwertiges.«
    »Gräfin Melusine, was Gleichwertiges gibt es nicht.«
    »Das ist gut, sehr gut, weil es so wahr ist. Aber dann bitt ich um etwas
zweiten Ranges. Ich
