 der Götter
und des Glücks, und wenn das auf den Wassern mit Hilfe des Winters wirklich der
Fall ist, weshalb sollte da nicht auch im Auf und Nieder des Menschenlebens
solch eine neunte Woge den mutigen Schwimmer zur Höhe heben? Nach den dann und
wann aus den Vereinigten Staaten im Vogelsang einlaufenden Briefen hob sich Mr.
Charles Trotzendorff mindestens wieder auf der siebenten, wenn nicht gar achten
Welle: »Dass er die armen Seelen, seine Närrin von Frau und das Kind, nicht ganz
abgeschüttelt hat und für sie verschollen ist, ist mir freilich ein Wunder; aber
ein Schwindler war er, und ein Schwindler bleibt er, und was an seinen Rimessen
hängen mag, das möchte ich auch nicht alles auf meinem Gewissen haben«, sagte
mein Vater.
    Doch -
    »O lieber Krumhardt, bester Nachbar«, ruft jetzt die Frau Nachbarin Agathe:
»o mein Charles! Mein armer herrlicher Charles! Mein Einziger! Ich weiß das ja
nur zu gut, wie ihr hier über ihn denkt. Glaubt ihr, ihr hättet es mich diese
langen schrecklichen Jahre durch nicht merken lassen? Wenn auch nicht durch
Worte, doch auf jede mögliche andere Weise! Und nun schreibt er: wir könnten
anfangen, die Fühlhörner wieder aus dem Schneckenhause zu stecken, er tue es
auch. Elly, die Schneiderin kommt doch übermorgen gewiss? O Gott, und wenn ich
dann mit meinem vollen Herzen zu euch komme, so sitzt ihr da und zieht Gesichter
in mein Glück; der eine auf die eine Weise, der andere auf die andere. Ich bin
ja ganz gewiss dankbar und weiß, wie sehr ich euch für so manche Güte
verpflichtet bin: aber ich weiß auch, dass Charles ganz gewiss seine und meine
Schuld bei euch abtragen wird. Dem Himmel sei Dank, dass ich mir und meinem armen
Kinde bald nicht mehr jeden armseligen Fetzen auf dem Leibe nachrechnen lassen
muss! Und, Amalie, Hartleben will ich ja auch fürs erste noch nicht mein
entsetzliches Unterkommen bei ihm kündigen und mich nach einer anständigeren
Wohnung in der Stadt umsehen. Fragt doch nur Ellen, ob wir nicht ganz genau
wissen, was wir an dem Vogelsang haben, wenigstens bis jetzt gehabt haben. Nur
noch eine kurze Zeit abwarten, schreibt er ja, gottlob: also, bitte, habt auch
ihr gütigst nur noch eine kleine Weile Geduld mit uns! Ihr sollt uns ja auch
drüben später willkommen sein, und das sage ich besonders dir, lieber Velten.
Jawohl, dir! Schneide du nur deine Gesichter und zupfe Ellen am Ärmel! Das Kind
hat's ja leider Gottes hier in unserm Hunger und Kummer vergessen, in was für
eine andere Welt es hineingehört von Vater und Mutter wegen.
