 ein anderer
Übergang aus meinem ruhigen, behaglichen Heim, von dem Kamin, wo mein Weib mit
ihrem Kindchen an der Brust auf niedrigem Schemel leise ihr Wiegenlied sang, zu
dem Ofen im Vogelsang, vor dem der wunderliche Freund sich frei machte - nicht
von den Sachen, sondern von dem, was in der Menschen Seele sich den Sachen
anhängt und sie schwer und leicht, kurz, zu dem macht, was wir anderen im Leben
ein Glück oder ein Unglück zu nennen pflegen.
    Ich konnte ihm bei meinem Eintritt weiter nichts sagen als:
    »Es ist unheimlich warm bei dir, Velten!«
    »Gemütlich! ... Deutsch-gemütlich, was? Ihr habt ja den Ausdruck, macht
Anspruch drauf, ihn in der Welt allein zu haben, also bleib auch du ganz ruhig
bei ihm, Krumhardt.«
    »Lass uns nach Möglichkeit vernünftig sprechen, Andres -«
    »Ich habe die Jungfer Schellenbaum heute morgen um eine Säge in die Stadt
geschickt: sie wird selbstverständlich bei euch gewesen sein, mit den Händen
über dem Kopfe und sämtlichen Geisteskräften in Unordnung: Bringst du das
Entmündigungsdokument für mich schon mit, mein Karlos?«
    »Wir wissen wenigstens in unserm Alltage schon Bescheid über das, was du
hier begonnen hast und wirklich weiter zu treiben scheinst; aber du könntest in
unserer Alltagswelt doch einen Unterschied zwischen mir und den übrigen machen.
Velten, was soll dies sein?«
    »Ein äusserliches Aufräumen zu dem innerlichen, liebster Freund! Ein
leichtbewegtes Herz und so weiter - wozu nützen uns die weisesten Aussprüche
großer Lehrer, wenn man ihnen nichts weiter entnimmt als eine Stimmung für den
Augenblick? Ein Hinweis drauf, dass der Meister selber keinen Gebrauch von seinem
Diktum gemacht habe, verschlägt nichts. Hat er sein leichtbewegtes Herz durch
seine achtzig Jahre mit sich geschleppt, so ist das seine Sache gewesen und hat
auch vielleicht zum Vorteil der Literaturgeschichte - um sie interessanter zu
machen - so sein müssen. Soll deshalb kein anderer die Fäden abschneiden dürfen,
die ihn mit dem Erdenballast verknüpfen? Ja, ich heize in diesem Winter mit
meinem hiesigen Eigentum an der wohlgegründeten Erde, mit meinen Habseligkeiten
aus dem Vogelsang.« Er sprach das Wort »Hab-Seligkeiten« in einer Weise aus, die
man im Werkeltagsverkehr nicht zu hören bekommt.
    Ja, er heizte durch den seltsamen Winter mit alledem, wovon sich andere
Leute nur sehr schwer, und wenn es gar nicht anders geht, und manchmal nur mit
Tränen in den Augen trennen. Und er trieb das Ding äußerst systematisch und
hatte dabei an mir einen Zuschauer und Teilnehmer, der nur durch seine Ruhe
abgehalten wurde, mit einem: »Aber Velten, auch das?« mit beiden Händen
dreinzugreifen und
