«.
    Er errötete stark.
    »Also das! Nun, sehen Sie, wenn diese alte Frau so töricht ist, sich in
einen jungen Menschen zu vergaffen, sich und ihr Hab und Gut zu seiner Verfügung
zu stellen, weshalb sollte der junge Mensch nicht das Anerbieten annehmen, sie
glücklich machen und sich gleichzeitig von etlichen dummen Sorgen befreien?«
    »Das ist aber gemein«.
    »Fragen Sie die Welt, Fräulein Johanne, ob sies gemein findet«.
    »Sie tun keinen Schritt, der Ihnen nicht Vorteil verheisst. Sie hingen sich
an einen Mann, der großen Einfluss besitzt und verherrlichten ihn. Warum war es
kein einfacher, schlichter, lieber Mensch, sondern ein Machtaber, der seine
Kreaturen gut und reich versorgt«.
    Tage lächelte vergnügt. »Mich freuts, dass Sie so ehrlich reden. Auch freuts
mich, dass Sie sich etwas in der Welt, in der wir leben, umzusehen beginnen.
Glauben Sie, ich wäre im Unklaren über den Wert der Schätzung Kneilenbreggs?«
    »Aber -«
    »Bitte, lassen Sie mich ausreden; glauben Sie, er wäre im Unklaren über den
Grund meiner öffentlich betonten Verehrung für ihn? Fräulein Johanne, wir
Menschen benützen einander, manchmal lieben wir uns dabei, um so besser,
manchmal nicht, dann scheinen wir etlichen empfindsamen Seelen roh und
egoistisch. Aber - glauben Sie mir, aus purem Edelmut liebt kein Jüngling sein
Mädchen und sei er noch so schwärmerisch veranlagt«.
    »Sie reden von Ihresgleichen -«
    »Nein, von - Unseresgleichen. Warum würden Sie lieben? Nicht weil er reich,
schön, gefeiert ist, beileibe. Weil Sie in seinen Armen sich selig fühlten. Sie
benützten ihn also als Spender beglückender Gefühle für Sie«.
    »Hässlich« sagte sie kurz.
    »Ach gehen Sie. Hässlich! Das Leben ist nun einmal so, dagegen lässt sich
nichts machen. Ich benütze die Anderen, mögen sie mich auch benützen, wenns
ihnen passt«.
    »Ich möchte wohl wissen -« sie hielt verschämt lächelnd über ihr
vorschnelles Wort inne, »ich möchte wissen, warum Sie mich -«
    »Warum ich Sie verehre?« Er bemühte sich eines treuherzigen Blickes. »Sehr
einfach, weil Ihre Anmut meine Dichterphantasie anregt, weil Sie wunderbar
reinigend und gut auf mich wirken«.
    »So? ist das auch wahr?« fragte sie ernst.
    »Gewiss ists wahr, Fräulein Johanne. Ich verspreche Ihnen, auch immer
ungeheuer brav zu sein«.
    »Gut, es soll mich freuen«.
    Er blieb stehen. »Dann darf ich also auch hoffen, Sie dann und wann zu
sehen?«
    »Gewiss, Sie können mich ja immer sehen
