 so! Wie oft hatte er nicht ebenso empfunden, wenn er mit Angstschweiß die
Zinsen für seine Gläubiger aufzubringen sich mühte. Der Mann wusste wie es
zuging, wahrhaftig, der durfte mitreden.
    Der Hauptmann riss sich aus seinem Nachdenken. »Nun wollen wir aber mal von
unserer Sache reden, Büttner! Ich weiß, wie's mit Ihnen steht. Ich gebe Ihnen
den wohlgemeinten Rat: verkaufen Sie Ihren Wald! Das ist das einzige Mittel, das
Sie noch retten kann. Zahlen Sie von dem Erlös einen Teil der Grundschulden ab,
sonst bricht Ihnen eines Tages die Geschichte über dem Kopfe zusammen. Es geht
Ihnen dann wie mir, Sie kommen um alles. Das Angebot, welches Ihnen der Graf
machen lässt, ist kein schlechtes. Nehmen Sie's an! Ich spreche nicht etwa nur im
Interesse meines Broterrn, ich spreche zu Ihnen geradezu als ein
Leidensgefährte.«
    Der Bauer schwieg eine Weile. In seinem Gesichte arbeitete es, als bewegten
ihn die widersprechendsten Gefühle. Aber die Feindseligkeit war aus seiner Miene
gewichen. Schließlich erklärte er mit gedämpfter Stimme, wenn er auch wolle, die
Hypotekengläubiger würden es gar nicht zulassen, dass er das Gut verkleinere.
    Auf diesen Einwand war der Hauptmann gefasst. »Natürlich würden die Gläubiger
Einspruch erheben, wenn Sie das Pfandobjekt vermindern wollten ohne ihre
Genehmigung. Mit den Leuten muss selbstverständlich verhandelt werden. Ich denke,
wenn man ihnen eine entsprechende Abzahlung zusichert, werden sie sich bereit
finden, die Einwilligung zur Dismembration zu erteilen. Es sind ja wohl lauter
nahe Verwandte von Ihnen, die Gläubiger? Die werden doch so viel Interesse für
die Erhaltung des Gutes beweisen, dass sie sich in diese notwendigen Maßregeln
finden.« -
    Der Bauer schüttelte mit bitterem Lachen den Kopf. »Han Se ne das Sprichwurt
gehert: Blutsverwandte tut mer heessen, die dich am erschten werden beessen.«
    »Steht es so bei Ihnen? Ich kenne das Wort! es liegt was Wahres darin. Aber
in Ihrem Falle, dächte ich, müssten die Verwandten ein Einsehen haben, wenn nicht
aus Familiensinn, so vielleicht aus Egoismus. Die sind doch schließlich auch
daran interessiert, dass das Gut in Ihren Händen bleibt. Denn können Sie sich
nicht darauf halten, dann sind auch die Hypotheken gefährdet. Auf überschuldetem
Besitz arbeitet der Eigentümer tatsächlich nur für die Gläubiger. Sie schinden
und plagen sich, damit Ihre Verwandten den Zinsgenuss ungestört haben. So liegt
die Sache doch in Wahrheit, mein Bester! Habe ich recht?«
    »Recht han Se! Aber soin Se mal suwos zu an Gleibiger. Die gahn mer de
Einwilligung ne, ich glob's ne!«
    »Ich will Ihnen mal was sagen, Büttner!«
