
kommen! Und hat der Bauer Geld, dann hat's die ganze Welt.«
    »Das mechte och sein - das mechte freilich sein, Herr Harrassowitz!« meinte
der Büttnerbauer und kratzte sich hinter den Ohren. »'s Geld is sihre rar
gewesen. Ne, ach Gott, zu rare ist dos gewesen in der letzten Zeit, Herr
Harrassowitz!«
    »Nun, Sie werden doch nicht etwa klagen wollen, Herr Büttner! Sie, mit Ihrer
schönen Besitzung! - Wie groß ist denn das Gut, wenn ich fragen darf?«
    »Zweemalhundert und a paaren dreißig Morgen, alles in allen, mit an
Buusche.«
    »Das wäre ja bald ein kleines Rittergut! Und da wollen Sie lamentieren! Ich
bitte Sie, guter Herr Büttner, was sollen denn dann die kleinen Leute machen!«
    »Ju, wenn ock de vielen Abgaben ne wären und de Gemeenelasten und de
Schulden.«
    »Ich weiß, ich weiß, es lastet vielerlei auf dem Ökonomen heutzutage. Sind
denn die Abgaben und Lasten so bedeutend in Halbenau?«
    Der Büttnerbauer schüttete darüber sein Herz gründlich aus. Harrassowitz
ließ ihn reden; nur manchmal warf er eine Bemerkung ein, die den einmal warm
Gewordenen veranlasste, mehr und mehr von seinen Verhältnissen aufzudecken.
    Jetzt war der Büttnerbauer bei seinem Hauptbeschwernis angelangt: seinem
mächtigen Nachbarn, der Herrschaft Saland.
    »Ja, ja, das glaube ich Ihnen gerne, Herr Büttner!« rief der Händler, »solch
einen Grossgrundbesitzer zum Nachbarn zu haben, ist kein Spaß! Die Leute sind
landgierig, die möchten die Bauern am liebsten alle legen. Das ist ein wahrer
Krebsschaden für unser Volk, die Latifundienwirtschaft. Ein freier,
selbständiger Bauernstand wird immer eine Grundbedingung für das Gedeihen des
ganzen Staates bilden. Wer soll uns denn die Soldaten liefern - was, he? Die
strammen Soldaten für unser Heer, wenn nicht der Bauernstand! - Grenzen Sie an
einer oder an mehreren Seiten mit der Herrschaft Saland?«
    Der Bauer erzählte, dass er so gut wie eingeschlossen sei durch das Dominium.
Dann ereiferte er sich über den Wildschaden.
    »Schrecklich! aber dafür hat natürlich so ein Graf gar keinen Sinn!« rief
der Händler mit dem Ausdrucke höchster Entrüstung, »wenn sich's nur um
Bauernflur handelt. Traurige Zustände sind das! Hat Ihnen der Graf denn schon
mal ein Angebot machen lassen wegen Ihres Gutes?«
    Der Büttnerbauer berichtete, dass der Graf schon seit Jahren um seinen Wald
handle, aber dass er ihm nicht einen Fussbreit abzulassen gesonnen sei.
Harassowitz horchte scharf hin auf diese Angaben. Dann nahm er auf einmal wieder
eine nachdenkliche Miene an.
    »Ja, das sind traurige Verhältnisse! Das
