 in deinem eigenen Interesse, dass
du eine gute Wahl getroffen hast.«
    »Die beste, um glücklich zu werden.«
    »Glücklich?« Für Graf Egge schien dieses Wort einen zweifelhaften Wert zu
haben. »Deine Braut ist reich?«
    »Nein. Auf das bescheidene Vermögen, das sie besitzt, wird sie verzichten,
um die Existenz ihrer Mutter und Schwester zu sichern.«
    Graf Egge zog die Brauen auf und blies den Atem vor sich hin wie
Pfeifenrauch. »Ach sooo? Ein idyllischer Herzensbund, mit Romantik und Edelmut
garniert wie die gebratene Schnepfe mit bestrichenen Schnitten? Das war von dir
zu erwarten.« Er vergrub die Fäuste wieder in den Taschen. »Du bist alt genug,
um zu wissen, was du tun willst. Und da du mich bei deiner Wahl entbehren
konntest, wirst du auch bei allem anderen nicht auf meine Hilfe rechnen. Eine
Spekulation auf meinen Geldbeutel? Das wäre fehlgeschossen wie heute auf den
Hirsch, zu dem dir der Franzl verhelfen musste.«
    »Ich glaube nicht, dass ich ein Wort gesprochen habe, das dich zu einer
solchen Befürchtung veranlassen konnte. Du irrst dich in mir.«
    »Ich irre mich? Schon wieder? Zuerst in diesem Lapp von Jäger. Und jetzt in
dir? Um so besser. Aber du hast recht, ich hätte dich weniger praktisch taxieren
sollen. Wie Hornegger vor einer Viertelstunde die achtzig Mark, so hast du mir
ja gestern die zwölftausend deiner Apanage vor die Füße geworfen. Der Stolz ist
von jeher die einzige Patrone gewesen, mit der du zu schießen verstanden. Gut,
stell' dich auf eigene Füße! Wenn es dir gelingt, alle Anerkennung! Verdienst du
wirklich soviel?«
    »Genügend, um mir auch ohne fremde Hilfe einen behaglichen Hausstand gründen
zu können.«
    »Fremde Hilfe?« Graf Egge lächelte, als hätte er einen leidlich guten Scherz
gehört. »Brav! Du hast ja auch noch die freie Verfügung über das Erbteil deiner
Mutter. Was dir im übrigen noch zusteht, darauf wirst du ein paar ausgiebige
Jahre warten müssen. Meine Gesundheit, die ich der Jagd verdanke, hat eisernen
Halt. Der Rest meines irdischen Pirschganges soll noch zwanzig Jahre dauern. Und
darüber.«
    »Das wünsche ich dir!« Bei allem Ernst klangen diese Worte warm und
herzlich.
    Graf Egge blickte langsam auf, als wäre dieser Ton an seinem Ohr nicht
wirkungslos vorübergegangen. »Danke!« Nach der Art eines Bauern, dem das Denken
einige Mühe verursacht, strich er mit beiden Händen das Haar in die Stirn.
»Also, du hast aus Neigung gewählt? Armut ist ja schließlich keine Schande, nur
ein unwillkommenes Übel, an welchem
