... ist es keine herkömmliche Todesart. Zugegeben, meine Gnädigste. Nicht
herkömmlich und in meinem Falle auch nicht einmal sehr wahrscheinlich - also
alles bloß Zitat oder, noch richtiger, façon de parler. Und doch steckt etwas
Aufrichtiggemeintes dahinter, wenn ich da eben sagte, die See werde mir nichts
anhaben. Es steht mir nämlich fest, dass ich einen richtigen und hoffentlich
ehrlichen Soldatentod sterben werde. Zunächst bloß Zigeunerprophezeiung, aber
mit Resonanz im eigenen Gewissen.«
    Innstetten lachte. »Das wird seine Schwierigkeiten haben, Crampas, wenn Sie
nicht vorhaben, beim Grosstürken oder unterm chinesischen Drachen Dienste zu
nehmen. Da schlägt man sich jetzt herum. Hier ist die Geschichte, glauben sie
mir, auf dreißig Jahre vorbei, und wer seinen Soldatentod sterben will...«
    »... der muss sich erst bei Bismarck einen Krieg bestellen. Weiß ich alles,
Innstetten. Aber das ist doch für Sie eine Kleinigkeit. Jetzt haben wir Ende
September; in zehn Wochen spätestens ist der Fürst wieder in Varzin, und da er
ein liking für Sie hat - mit der volkstümlicheren Wendung will ich zurückhalten,
um nicht direkt vor Ihren Pistolenlauf zu kommen -, so werden Sie einem alten
Kameraden von Vionville her doch wohl ein bisschen Krieg besorgen können. Der
Fürst ist auch nur ein Mensch, und Zureden hilft.«
    Effi hatte während dieses Gesprächs einige Brotkügelchen gedreht, würfelte
damit und legte sie zu Figuren zusammen, um so anzuzeigen, dass ihr ein Wechsel
des Temas wünschenswert wäre. Trotzdem schien Innstetten auf Crampas'
scherzhafte Bemerkungen antworten zu wollen, was denn Effi bestimmte, lieber
direkt einzugreifen. »Ich sehe nicht ein, Major, warum wir uns mit Ihrer
Todesart beschäftigen sollen; das Leben ist uns näher und zunächst auch eine
viel ernstere Sache.«
    Crampas nickte.
    »Das ist recht, dass Sie mir recht geben. Wie soll man hier leben? Das ist
vorläufig die Frage, das ist wichtiger als alles andere. Gieshübler hat mir
darüber geschrieben, und wenn es nicht indiskret und eitel wäre, denn es steht
noch allerlei nebenher darin, so zeigte ich Ihnen den Brief... Innstetten
braucht ihn nicht zu lesen, der hat keinen Sinn für dergleichen..., beiläufig
eine Handschrift wie gestochen und Ausdrucksformen, als wäre unser Freund statt
am Kessiner Alten Markt an einem altfranzösischen Hofe erzogen. Und dass er
verwachsen ist und weiße Jabots trägt wie kein anderer Mensch mehr - ich weiß
nur nicht, wo er die Plätterin hernimmt -, das passt alles so vorzüglich. Nun,
also Gieshübler hat mir von Plänen für die Ressourcenabende geschrieben und von
einem Entrepreneur, namens Crampas. Sehen Sie, Major, das gefällt mir besser als
