 recht freust, mich wieder hierzuhaben, so werd ich mich auch zu
revanchieren wissen.« Und dabei zupfte sie die weiße Damastdecke zurecht und
legte ihre Hand darauf, die Innstetten nahm und küsste.
    »Wie bist du nur eigentlich ohne mich fertig geworden?«
    »Schlecht genug, Effi.«
    »Das sagst du so hin und machst ein betrübtes Gesicht, und ist doch
eigentlich alles nicht wahr.«
    »Aber Effi. ..«
    »Was ich dir beweisen will. Denn wenn du ein bisschen Sehnsucht nach deinem
Kinde gehabt hättest - von mir selber will ich nicht sprechen, was ist man am
Ende solchem hohen Herrn, der so lange Jahre Junggeselle war und es nicht eilig
hatte...«
    »Nun?«
    »Ja, Geert, wenn du nur ein bisschen Sehnsucht gehabt hättest, so hättest du
mich nicht sechs Wochen mutterwindallein in Hohen-Cremmen sitzen lassen wie eine
Witwe, und nichts da als Niemeier und Jahnke und mal die Schwantikower. Und von
den Ratenowern ist niemand gekommen, als ob sie sich vor mir gefürchtet hätten
oder als ob ich zu alt geworden sei.«
    »Ach, Effi, wie du nur sprichst. Weißt du, dass du eine kleine Kokette bist?«
    »Gott sei Dank, dass du das sagst. Das ist für euch das Beste, was man sein
kann. Und du bist nichts anderes als die anderen, wenn du auch so feierlich und
ehrsam tust. Ich weiß es recht gut, Geert... Eigentlich bist du...«
    »Nun, was?«
    »Nun, ich will es lieber nicht sagen. Aber ich kenne dich recht gut; du bist
eigentlich, wie der Schwantikower Onkel mal sagte, ein Zärtlichkeitsmensch und
unterm Liebesstern geboren, und Onkel Belling hatte ganz recht, als er das
sagte. Du willst es bloß nicht zeigen und denkst, es schickt sich nicht und
verdirbt einem die Karriere. Hab ich's getroffen?«
    Innstetten lachte. »Ein bisschen getroffen hast du's. Weißt du was, Effi, du
kommst mir ganz anders vor. Bis Anniechen da war, warst du ein Kind. Aber mit
einemmal...«
    »Nun?«
    »Mit einemmal bist du wie vertauscht. Aber es steht dir, du gefällst mir
sehr, Effi. Weißt du was?«
    »Nun?«
    »Du hast was Verführerisches.«
    »Ach, mein einziger Geert, das ist ja herrlich, was du da sagst; nun wird
mir erst recht wohl ums Herz... Gib mir noch eine halbe Tasse... Weißt du denn,
dass ich mir das immer gewünscht habe. Wir müssen verführerisch
