 haben und frische Luft, daran bist du doch
gewöhnt.«
    »Hab ich auch. Unser Haus liegt an einem Wäldchen, das sie die Plantage
nennen. Und da geh ich denn viel spazieren und Rollo mit mir.«
    »Immer Rollo«, lachte Briest. »Wenn man's nicht anders wüsste, so sollte man
beinah glauben, Rollo sei dir mehr ans Herz gewachsen als Mann und Kind.«
    »Ach, Papa, das wäre ja schrecklich, wenn's auch freilich - soviel muss ich
zugeben - eine Zeit gegeben hat, wo's ohne Rollo gar nicht gegangen wäre. Das
war damals... nun, du weißt schon... Da hat er mich so gut wie gerettet, oder
ich habe mir's wenigstens eingebildet, und seitdem ist er mein guter Freund und
mein ganz besonderer Verlass. Aber er ist doch bloß ein Hund. Und erst kommen
doch natürlich die Menschen.«
    »Ja, das sagt man immer, aber ich habe da doch so meine Zweifel. Das mit der
Kreatur, damit hat's doch seine eigene Bewandtnis, und was da das Richtige ist,
darüber sind die Akten noch nicht geschlossen. Glaube mir, Effi, das ist auch
ein weites Feld. Wenn ich mir so denke, da verunglückt einer auf dem Wasser oder
gar auf dem schülbrigen Eis, und solch ein Hund, sagen wir so einer wie dein
Rollo, ist dabei, ja, der ruht nicht eher, als bis er den Verunglückten wieder
an Land hat. Und wenn der Verunglückte schon tot ist, dann legt er sich neben
den Toten hin und blafft und winselt so lange, bis wer kommt, und wenn keiner
kommt, dann bleibt er bei dem Toten liegen, bis er selber tot ist. Und das tut
solch Tier immer. Und nun nimm dagegen die Menschheit! Gott, vergib mir die
Sünde, aber mitunter ist mir's doch, als ob die Kreatur besser wäre als der
Mensch.«
    »Aber, Papa, wenn ich das Innstetten wiedererzählte...«
    »Nein, das tu lieber nicht, Effi...«
    »Rollo würde mich ja natürlich retten, aber Innstetten würde mich auch
retten. Er ist ja ein Mann von Ehre.«
    »Das ist er.«
    »Und liebt mich.«
    »Versteht sich, versteht sich. Und wo Liebe ist, da ist auch Gegenliebe. Das
ist nun mal so. Mich wundert nur, dass er nicht mal Urlaub genommen hat und
rübergefljetzt ist. Wenn man eine so junge Frau hat...«
    Effi errötete, weil sie geradeso dachte. Sie mochte es aber nicht einräumen.
