 die vielgleisig an der Übergangsstelle lagen, ging es in
Schräglinie den Bahndamm hinunter und gleich danach an einem schon an der
Chaussee gelegenen Gasthause vorüber, das den Namen »Zum Fürsten Bismarck«
führte. Denn an eben dieser Stelle gabelte der Weg und zweigte, wie rechts nach
Kessin, so links nach Varzin hin ab. Vor dem Gasthofe stand ein mittelgrosser
breitschultriger Mann in Pelz und Pelzmütze, welch letztere er, als der Herr
Landrat vorüberfuhr, mit vieler Würde vom Haupte nahm. »Wer war denn das?« sagte
Effi, die durch alles, was sie sah, aufs höchste interessiert und schon deshalb
bei bester Laune war. »Er sah ja aus wie ein Starost, wobei ich freilich
bekennen muss, nie einen Starosten gesehen zu haben.«
    »Was auch nicht schadet, Effi. Du hast es trotzdem sehr gut getroffen. Er
sieht wirklich aus wie ein Starost und ist auch so was. Er ist nämlich ein
halber Pole, heißt Golchowski, und wenn wir hier Wahl haben oder eine Jagd, dann
ist er obenauf. Eigentlich ein ganz unsicherer Passagier, dem ich nicht über den
Weg traue und der wohl viel auf dem Gewissen hat. Er spielt sich aber auf den
Loyalen hin aus, und wenn die Varziner Herrschaften hier vorüberkommen, möcht er
sich am liebsten vor den Wagen werfen. Ich weiß, dass er dem Fürsten auch
widerlich ist. Aber was hilft's? Wir dürfen es nicht mit ihm verderben, weil wir
ihn brauchen. Er hat hier die ganze Gegend in der Tasche und versteht die
Wahlmache wie kein anderer, gilt auch für wohlhabend. dabei leiht er auf Wucher,
was sonst die Polen nicht tun; in der Regel das Gegenteil.«
    »Er sah aber gut aus.«
    »Ja, gut aussehen tut er. Gut aussehen tun die meisten hier. Ein hübscher
Schlag Menschen. Aber das ist auch das Beste, was man von ihnen sagen kann. Eure
märkischen Leute sehen unscheinbarer aus und verdrießlicher, und in ihrer
Haltung sind sie weniger respektvoll, eigentlich gar nicht, aber ihr Ja ist Ja,
und Nein ist Nein, und man kann sich auf sie verlassen. Hier ist alles
unsicher.«
    »Warum sagst du mir das? Ich muss nun doch hier mit ihnen leben.«
    »Du nicht, du wirst nicht viel von ihnen hören und sehen. Denn Stadt und
Land hier sind sehr verschieden, und du wirst nur unsere Städter kennenlernen,
unsere guten Kessiner.«
    »Unsere guten Kessiner. Ist es Spott, oder sind sie wirklich so gut?«
    »Dass sie wirklich gut sind, will ich nicht gerade behaupten, aber sie sind
doch anders als die andern; ja
