 zu
treffen, Salzbrunn gut und Reinerz, wegen der Nervenkomplikation, noch besser.
Aber es darf nur Hohen-Cremmen sein. Denn, meine gnädigste Frau, was Ihrer Frau
Tochter Genesung bringen kann, ist nicht Luft allein; sie siecht hin, weil sie
nichts hat als Roswita. Dienertreue ist schön, aber Elternliebe ist besser.
Verzeihen Sie einem alten Manne dies Sicheinmischen in Dinge, die jenseits
seines ärztlichen Berufes liegen. Und doch auch wieder nicht, denn es ist
schließlich auch der Arzt, der hier spricht und seiner Pflicht nach, verzeihen
Sie dies Wort, Forderungen stellt... Ich habe soviel vom Leben gesehen... aber
nichts mehr in diesem Sinne. Mit der Bitte, mich Ihrem Herrn Gemahl empfehlen zu
wollen, in vorzüglicher Ergebenheit
                                                              Dr. Rummschüttel.«
Frau von Briest hatte den Brief ihrem Manne vorgelesen; beide saßen auf dem
schattigen Steinfliesengange, den Gartensaal im Rücken, das Rondell mit der
Sonnenuhr vor sich. Der um die Fenster sich rankende wilde Wein bewegte sich
leis in dem Luftzuge, der ging, und über dem Wasser standen ein paar Libellen im
hellen Sonnenschein.
    Briest schwieg und trommelte mit dem Finger auf dem Teebrett.
    »Bitte, trommle nicht; sprich lieber.«
    »Ach, Luise, was soll ich sagen. Dass ich trommle, sagt gerade genug. Du
weißt seit Jahr und Tag, wie ich darüber denke. Damals, als Innstettens Brief
kam, ein Blitz aus heiterem Himmel, damals war ich deiner Meinung. Aber das ist
nun schon wieder eine halbe Ewigkeit her; soll ich hier bis an mein Lebensende
den Grossinquisitor spielen? Ich kann dir sagen, ich hab es seit lange satt...«
    »Mache mir keine Vorwürfe, Briest; ich liebe sie so wie du, vielleicht noch
mehr; jeder hat seine Art. Aber man lebt doch nicht bloß in der Welt, um schwach
und zärtlich zu sein und alles mit Nachsicht zu behandeln, was gegen Gesetz und
Gebot ist und was die Menschen verurteilen und, vorläufig wenigstens, auch noch
- mit Recht verurteilen.«
    »Ach was. Eins geht vor.«
    »Natürlich, eins geht vor; aber was ist das eine?«
    »Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Und wenn man gar bloß eines hat...«
    »Dann ist es vorbei mit Katechismus und Moral und mit dem Anspruch der
Gesellschaft.«
    »Ach, Luise, komme mir mit Katechismus, soviel du willst; aber komme mir
nicht mit Gesellschaft.«
    »Es ist sehr schwer, sich ohne Gesellschaft zu behelfen.«
    »Ohne Kind auch. Und dann glaube mir, Luise, die Gesellschaft, wenn sie nur
will,
